Acetylsalicylsäure führt neben ihrer analgetischen, antipyretischen und antiphlogistischen Wirkung zu einer starken Thrombozytenaggregationshemmung, die mehrere Tage anhält. Dieser Effekt, der schon bei einer niedrigen Dosis von 100 mg ASS auftritt, ist in der irreversiblen Hemmung der COX-1 in den Thrombozyten begründet. Da diese keinen Zellkern zur Regenerierung des Enzyms besitzen, wird die Aggregation so lange gehemmt, bis neue Thrombozyten ausgereift sind. [2] ASS zur oralen Anwendung ist nicht verschreibungspflichtig. [5]

Abb. 5: Strukturformel von Acetylsalicylsäure

Indikationen: [2] [6]
  • Hohe Dosierung (500 mg): Leichte bis mäßig starke Schmerzen, Fieber
  • Niedrige Dosierung (100 mg): Instabile Angina pectoris, akuter Myokardinfarkt (als Teil der Standardtherapie), Reinfarktprophylaxe, nach arteriellen gefäßchirurgischen oder interventionellen Eingriffen (z. B. nach ACVB, bei PTCA), Vorbeugung von transitorischen ischämischen Attacken (TIA) und Hirninfarkten, nachdem Vorläuferstadien aufgetreten sind
Dosierung (Jugendliche ab 14 Jahre und Erwachsene): [2]
  • Schmerz/Fieber (OTC): analgetisch-antipyretische Einzeldosis 0,5 g, antiphlogistische Einzeldosis 1,0 g (max. 3 g pro Tag)
  • Antirheumatische Therapie: 4–6 g wären erforderlich (obsolet, da zu hohe GI-Toxizität)
  • Herzinfarktprophylaxe: 100 mg pro Tag
Spezielle Nebenwirkungen und Besonderheiten: [2]
  • Sodbrennen, Magenbeschwerden, Mikroblutungen der Magenschleimhaut
  • Bei Gichtpatienten: verstärkte Harnsäureretention
  • Kontraindikation bei Kindern unter 12 Jahren (➔ Risiko Reye-Syndrom) und Schwangeren im dritten Trimenon (➔ Risiko Ductus-botalli-Verschluss)
  • Bei Schwangeren im ersten und zweiten Trimenon nur bei eindeutiger Notwendigkeit