2.7 Topische Glukokortikoide

Glukokortikoide haben entzündungshemmende, immunsuppressive, antiallergische, antiproliferative, gefäßverengende und juckreizlindernde Eigenschaften. Die antiallergische Wirkung der Glukokortikoide lässt sich aus ihrer immunsuppressiven Wirkung sowie aus einer Beeinflussung der antikörper- und der zellvermittelten Hypersensitivität ableiten: Die immunsuppressive Wirkung der Glukokortikoide beruht hauptsächlich auf einer Abnahme der Zahl und Aktivität von Lymphozyten (T-Lymphozyten, B-Lymphozten).

Die antikörpervermittelte Hypersensitivität wird unter anderem über eine Hemmung der Freisetzung vasoaktiver Substanzen (z. B. Histamin) beeinflusst, die zellvermittelte Hypersensitivität über eine Verminderung der Lymphokinfreisetzung. Die antiinflammatorische Wirkung beruht zum Teil auf einem Eingriff in den Arachidonsäure-Stoffwechsel mit der Folge einer verminderten Bildung von Entzündungsmediatoren (z. B. Prostaglandine, Leukotriene). Außerdem werden überschießende Zellsignale auf ein normales Maß gedämpft.

Topische Kortikoide haben ein Steroidgrundgerüst und sind von den körpereigenen Glukokortikoiden abgeleitet. Sie werden unter anderem halogeniert (chloriert, fluoriert), alkyliert (methyliert), anelliert und verestert, um ihre Eigenschaften zu verändern. Auf diese Weise verändern sich die Potenz, Lipophilie, Pharmakokinetik sowie die Aufnahme in die Haut. Manche Glukokortikoide sind sogenannte Prodrugs, die in der Haut von Esterasen hydrolysiert und dadurch aktiviert werden.

Wirkstoffklassen

Dermal angewandte Glukokortikoide werden nach ihrer Stärke in vier Wirkstoffklassen eingeteilt (jeweils Beispiele genannt).11

Klasse I: Schwach wirksam

  • Hydrokortisonacetat
  • Prednisolon

Klasse II: Mittelstark wirksam

  • Clobetasonbutyrat
  • Hydrokortisonbutyrat
  • Flumethasonpivalat
  • Fluoprednidenacetat
  • Desonid
  • Triamcinolonacetonid
  • Dexamethason
  • Methylprednisolonaceponat
  • Prednicarbat

Klasse III: Stark wirksam

  • Betamethasonvalerat
  • Desoximethason
  • Fluocinolonacetonid
  • Diflucortolonvalerat
  • Fluocinonid
  • Halometason
  • Mometasonfuroat
  • Fluticasonpropionat

Klasse IV: Sehr stark wirksam

  • Clobetasolpropionat

Dosierung und Anwendung

Topisch anzuwendende Glukokortikoide werden laut Gebrauchsanweisung des Fertigarzneimittels angewendet. Die Therapie mit topischen Glukokortikoiden wird in der Regel einmal täglich empfohlen, ausnahmsweise zweimal täglich. Die Substanzen sollten bis zur Abheilung der Läsionen konsequent angewendet werden, um danach eine intermittierende Nachbehandlung über mehrere Monate anzuschließen (proaktive Therapie).5

In einigen Körperregionen wie beispielsweise Gesicht, Hals oder Areale, in denen sich gegenüberliegende Hautflächen berühren (intertriginöse Areale), ist bei der Behandlung mit topischen Glukokortikosteroiden besondere Vorsicht geboten. Hier sollte die Anwendung auf wenige Tage befristet werden. Zudem ist zu beachten, dass bei abgedeckter Haut (okklusive Verhältnisse, z. B. Windelbereich) eine erhöhte Resorptionsgefahr besteht.5