Ödeme, d. h. Flüssigkeitsansammlungen, entstehen im Allgemeinen durch ein zu hohes Flüssigkeitsangebot und/oder eine verminderte Drainageleistung.

Das Lymphödem im Speziellen ist auf eine verminderte Drainageleistung zurückzuführen. Die anfallende lymphatische Last wird nicht mehr adäquat abtransportiert und es verbleibt eine eiweißreiche Flüssigkeit im Gewebe. Es liegt also eine Insuffizienz der Lymphgefäße mit einer verminderten Transportkapazität vor.

Das Lymphödem verläuft progredient. Durch die Proteinablagerungen im Gewebe kann eine chronische Entzündung mit einhergehender Zellproliferation in Bindegewebe, Haut und Lymphgefäßen entstehen. Eine Heilung ist nicht möglich, weshalb die Therapie auf eine verbesserte Transportfähigkeit, erhöhte Drainageleistung und damit eine Reduktion des Lymphödems abzielt.

Abb. 3: Einteilung der Ödeme nach Eiweißgehalt (nach H. Pritschow und C. Schuchhardt: Das Lymphödem. Viavital, 2008)

Hinweis

Diuretika sind bei einem eiweißreichen Ödem kontraindiziert, da bei einer angeregten Harnausscheidung zwar mehr Flüssigkeit ausgeschieden wird, die Eiweiße jedoch im Gewebe verbleiben und mehr Flüssigkeit nachziehen. Dadurch wird das Problem auf Dauer sogar noch verschärft.

Posttraumatisches Lymphödem

Der menschliche Körper reagiert auf ein Trauma, d. h. eine Verletzung durch einen starken Schlag oder Stoß, zunächst mit einer Entzündungsreaktion, was zu einer momentanen Überforderung des Lymphsystems führen kann (→ Schwellung, Ödem). Innerhalb eines solchen Permeabilitätsödems ist die Sauerstoffversorgung des Gewebes durch die vergrößerte Diffusionsstrecke vermindert und es kommt zu Radikalbildung bis hin zu erhöhter Proteinkonzentration und fibrotischen und sklerotischen Prozessen durch eine gesteigerte Kollagensynthese. Das bedeutet, dass ein fortbestehendes Ödem die Heilung beeinträchtigen und sich ggf. sogar progredient entwickeln kann. Die mit einem solchen Trauma verbundenen posttraumatischen Schmerzen sind (neben den Schmerzmediatoren) unter anderem auch auf den Druck des Ödems zurückzuführen. Die Schmerzen können wiederum die Funktion der Lymphgefäße beeinträchtigen, durch

  • die eingeschränkte Beweglichkeit (Ruhehaltung) und
  • Spasmen der Lymphgefäße durch Schmerzmediatoren.

Eine Unterstützung des Lymphabflusses kann bei einem posttraumatischen Lymphödem somit sinnvoll sein, da hierdurch die Flüssigkeitsansammlung reduziert und damit eine verbesserte Blut- und Sauerstoffversorgung erreicht wird. Dies kann nicht zuletzt auch die Schmerzen lindern.

Wie der Lymphabfluss unterstützt werden kann, kann in Teil 3 der Fortbildung nachgelesen werden.