Mutterkorn bezeichnet die Dauerform (Sklerotium) des Mutterkornpilzes (Claviceps purpurea), der sich von lebenden Organismen ernährt. Er befällt hauptsächlich Roggen und Weizen. Dies ist am heranwachsenden Wirt durch hängende, längliche und verhärtete Sklerotien zu erkennen, die purpur bis dunkelbraun gefärbt sind. Ihr Aussehen erinnert an eine Kralle (vgl. Vermeulen, 2006, S. 1382). Die Einnahme von unverarbeitetem Mutterkorn führt bei gesunden Menschen zur Kontraktion (Zusammenziehen) der glatten Muskelfasern. Als Folge dessen kann es zu Kälte, anämischem Zustand, Petechien (stecknadelkopfgroße Blutungen aus den Kapillaren in die Haut), Nekrose und Gangrän (Sonderform der Nekrose: Autolyse des Gewebes und Verfärbung) kommen.

Die Urtinktur wird aus den getrockneten Sklerotien gewonnen. Homöopathisch aufbereitet findet Secale cornutum Anwendung bei gefäßbedingten Erkrankungen und Beschwerden, die im Zusammenhang mit Blut und seiner Zirkulation stehen. Im Bereich der Brust wird das Homöopathikum nicht nur bei Atemnot und Beklemmung eingesetzt, sondern auch bei Angina pectoris. Ebenfalls findet es Anwendung bei bohrendem Schmerz in der Brust, Herzklopfen und aussetzendem Puls (vgl. Boericke, 2004, S. 684 ff.).

Abb. 14: Secale cornutum – Mutterkorn; © cerealist/Fotolia