Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Artikel der Substitutionsausschlussliste nicht lieferbar – was tun?

Es liegt ein Rezept zulasten der Techniker Krankenkasse über

„L-Thyrox HEXAL 25 µg 50 Tabl. N2 PZN 00811678
Dosierung 1 Tabl. morgens nüchtern“ vor.

Wie sich herausstellt, ist die 50er-Packung in der Apotheke nicht vorrätig und vom Großhandel nicht lieferbar. Die Apotheke hat jedoch Levothyroxin-Natrium in Packungen zu 50 St. von anderen Herstellern und auch das Levothyroxin-Natrium des verordneten Herstellers in einer N3-Packung in der verordneten Wirkstärke vorrätig.

Die Lösung zur Frage:
Welche Aussage ist korrekt?

Die Apotheke darf in diesem Fall ein vorrätiges Produkt eines anderen Herstellers abgeben. Dabei ist jedoch die Preisgrenze zu beachten und die Sonder-PZN aufzutragen.

Diese Antwort ist falsch.

Schilddrüsenhormone (Levothyroxin-Natrium) werden in Teil B der Anlage VII zur Arzneimittel-Richtlinie (Substitutionsausschlussliste) aufgeführt. Ein Austausch auf ein Arzneimittel eines anderen Herstellers darf daher nicht erfolgen. Lediglich ein Austausch zwischen Originalen und bezugnehmenden Importen wäre möglich, da diese Arzneimittel als gleich gelten. Es ist demnach auch keine Preisgrenze zu beachten und auch das Aufdrucken der Sonder-PZN plus Faktor für Nichtverfügbarkeit macht keinen Austausch möglich.

Die Apotheke kann dem Patienten 50 Tabletten des identischen Herstellers aus der N3-Packung ausfüllen und die gesamte N3-Packung abrechnen.

Diese Antwort ist korrekt.

Die Apotheke kann gemäß der SARS-CoV-2-AMVersVO von der Teilmengenregelung Gebrauch machen. Die genaue Vorgehensweise ist in § 4 der Vereinbarung zur technischen Umsetzung der SARS-CoV-2-AMVersVO festgelegt:

„Bei der ersten Abgabe einer Teilmenge aus einer Arzneimittelpackung wird diese Packung unter Angabe der Pharmazentralnummer und des vollständigen Preises komplett abgerechnet und die entsprechende Zuzahlung erhoben. Die Apotheke trägt zusätzlich das Sonderkennzeichen 06461127 (Erstabgabe einer Teilmenge), im Feld ‚Faktor‘ den Wert ‚1‘ und im Feld ‚Taxe‘ den Betrag ‚0‘ auf.“

Die Apotheke kann die Verordnung nur vom Arzt in einen vorrätigen oder lieferbaren Hersteller ändern lassen.

Diese Antwort ist falsch.

Richtig ist zwar, dass die Rezeptänderung eine mögliche Option ist, für Ersatzkassen wäre in solch einem Fall in Zeiten der Coronapandemie jedoch ausnahmsweise eine telefonische Rücksprache und die Änderung durch die Apotheke ausreichend. Die Antwort, dass die Verordnung nur durch den Arzt geändert werden darf, ist daher falsch.

Erklärung

Schilddrüsenhormone (Levothyroxin-Natrium) werden in Teil B der Anlage VII zur Arzneimittel-Richtlinie (Substitutionsausschlussliste) aufgeführt. Ein Austausch in ein Arzneimittel eines anderen Herstellers darf daher nicht erfolgen. Eine Rezeptänderung wäre eine mögliche Option. Für Ersatzkassen ist während der Pandemie ausnahmsweise eine telefonische Rücksprache und die Änderung durch die Apotheke ausreichend. Die Antwort, dass die Verordnung nur durch den Arzt geändert werden darf, ist daher bei Verordnungen zulasten der TK falsch. Eine Patientenversorgung ohne wirtschaftliche Einbußen für die Apotheke bietet die Teilmengenregelung der SARS-CoV-2-AMVersVO, die bei nicht lieferbaren Packungsgrößen angewandt werden darf.

1 Abs. 3 SARS-CoV-2-AMVersVO

„Abweichend von § 129 Absatz 1 Satz 1 bis 5 und 8 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch und dem Rahmenvertrag nach § 129 Absatz 2 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch dürfen Apotheken, wenn das auf der Grundlage der Verordnung abzugebende Arzneimittel in der Apotheke nicht vorrätig ist, an den Versicherten ein in der Apotheke vorrätiges wirkstoffgleiches Arzneimittel abgeben; ist kein wirkstoffgleiches Arzneimittel in der Apotheke vorrätig und ist das abzugebende Arzneimittel auch nicht lieferbar, darf ein lieferbares wirkstoffgleiches Arzneimittel abgegeben

werden. Sofern weder das auf der Grundlage der Verordnung abzugebende noch ein wirkstoffgleiches Arzneimittel vorrätig oder lieferbar ist, dürfen Apotheken nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt ein pharmakologisch-therapeutisch vergleichbares Arzneimittel an den Versicherten abgeben; dies ist auf dem Arzneiverordnungsblatt zu dokumentieren. Satz 2 gilt entsprechend für den Fall, dass der verordnende Arzt den Austausch des Arzneimittels ausgeschlossen hat. Apotheken dürfen ohne Rücksprache mit dem verordnenden Arzt von der ärztlichen Verordnung im Hinblick auf Folgendes abweichen, sofern dadurch die verordnete Gesamtmenge des Wirkstoffs nicht überschritten wird:

  1. die Packungsgröße, auch mit einer Überschreitung der nach der Packungsgrößenverordnung definierten Messzahl,
  2. die Packungsanzahl,
  3. die Entnahme von Teilmengen aus Fertigarzneimittelpackungen, soweit die abzugebende Packungsgröße nicht lieferbar ist, und
  4. die Wirkstärke, sofern keine pharmazeutischen Bedenken bestehen.

Im Fall der Verschreibung von Substitutionsmitteln nach § 5 Absatz 6 der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung findet Satz 4 Nummer 1, 2 und 4 keine Anwendung.“

Die genaue Vorgehensweise ist in § 4 der Vereinbarung zur technischen Umsetzung der SARS-CoV-2-AMVersVO festgelegt:

4

„Im Fall, dass die auf der Grundlage der ärztlichen Verordnung nach den Regelungen des Rahmenvertrages nach § 129 Abs. 2 SGB V auszuwählende Packungsgröße nicht lieferbar ist und entsprechend § 1 Absatz 3 Satz 4 Ziffer 3 und § 4 Absatz 3 SARS-CoV-2-AMVersVO eine Teilmenge abgegeben werden muss, gilt Folgendes:

  • Bei der ersten Abgabe einer Teilmenge aus einer Arzneimittelpackung wird diese Packung unter Angabe der Pharmazentralnummer und des vollständigen Preises komplett abgerechnet und die entsprechende Zuzahlung erhoben. Die Apotheke trägt zusätzlich das Sonderkennzeichen 06461127 (Erstabgabe einer Teilmenge), im Feld ‚Faktor‘ den Wert ‚1‘ und im Feld ‚Taxe‘ den Betrag ‚0‘ auf.
  • Bei weiteren Abgaben von Teilmengen aus dieser Packung ist die Pharmazentralnummer dieser Packung, im Feld ‚Faktor‘ der Wert ‚1‘ und im Feld ‚Taxe‘ der Betrag ‚0‘ aufzutragen. Zusätzlich ist das Sonderkennzeichen 06461133 (weitere Teilmengenabgabe) aufzutragen. Im Feld ‚Faktor‘ ist der Wert ‚1‘ anzugeben, im Feld ‚Taxe‘ ist der Betrag ‚690‘, entsprechend 5,80 Euro gemäß § 3 Abs. 6 AMPreisV zuzüglich Umsatzsteuer, anzugeben. Eine Zuzahlung ist zu erheben.“