Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Adalimumab-Verordnung: Was ist die korrekte Abgabe?

Ihnen wird eine Wirkstoffverordnung über Adalimumab vorgelegt. Da kein konkretes Präparat verordnet ist, werden in der EDV der Wirkstoff sowie die Darreichungsform („FER“) und die Menge in die Suchmaske der Apothekensoftware eingegeben. Man findet so als einziges Präparat einen Humira-Import von Inopha. Eine weitere Recherche ergibt, dass das Bezugsoriginal zu diesem Humira-Import bei der vorliegenden Krankenkasse rabattiert ist.

Die Lösung zur Frage:
Welche Aussage zur Abgabe ist korrekt?

Da der Humira-Import von Inopha um etwa 150 Euro günstiger ist als das Humira-Original, darf aufgrund des Wirtschaftlichkeitsgebotes nur der Import abgegeben werden. Zudem ist dieser Import das einzige Adalimumab-Präparat mit der Darreichungsform „FER“ (= Fertigspritze).

Diese Antwort ist falsch.

Da es sich bei der Verordnung um einen gentechnisch hergestellten Arzneistoff handelt, ist die Verordnung ohne Nennung eines Herstellers als unklare Verordnung einzustufen.

Es muss das rabattierte Original zum gefundenen Import abgegeben werden, da dies Vorrang vor einem unrabattierten Import hat, auch wenn die Darreichungsformen sich unterscheiden (FER bzw. ILO).

Diese Antwort ist falsch.

Da es sich bei der Verordnung um einen gentechnisch hergestellten Arzneistoff handelt, ist die Verordnung ohne Nennung eines Herstellers als unklare Verordnung einzustufen.

Diese Verordnung ist als unklare Verordnung einzustufen.

Diese Antwort ist richtig.

Gentechnisch hergestellte Arzneistoffe, sogenannte Biologika/Biosimilars, müssen immer eindeutig unter ihrem Produktnamen oder zumindest mit Nennung des Herstellers verordnet werden. Eine Wirkstoffverordnung ist nicht ausreichend und muss vor der Abgabe spezifiziert werden. Ausgehend von der geänderten Verordnung wird dann die Suche nach möglichen rabattierten Präparaten durchgeführt.

Erklärung

Auflösung der Abgabefrage des Monats

Verordnet der Arzt ein biotechnologisch hergestelltes Arzneimittel nur unter Nennung des Wirkstoffes, ist Vorsicht geboten bzw. besteht die Gefahr einer Retaxation. Denn nur ausgehend von einem konkreten Produkt wird der richtige Austausch per Apothekensoftware angezeigt. Daher empfiehlt es sich, bei einer reinen Wirkstoffverordnung den Arzt um die Neuausstellung eines Rezeptes mit eindeutiger Angabe eines Präparates zu bitten. Ist dies nicht möglich, kann die Apotheke den Präparatenamen und/oder den Hersteller nach Rücksprache mit dem Arzt selbst ergänzen und diese Änderung mit Datum und Kürzel abzeichnen (nach § 3 Rahmenvertrag).

Verordnet der Arzt ein Präparat eindeutig unter seinem Namen, muss im Rahmen von Rabattverträgen ein Austausch auf das rabattierte Arzneimittel vorgenommen werden (lt. § 4 Rahmenvertrag). Da Importe und bezugnehmendes Original als identisch gelten, müssen auch Biologika innerhalb der Import-Original-Gruppe aufgrund von Rabattverträgen ausgetauscht werden und zwar auch dann, wenn ihre Darreichungsformen nicht das identische Kürzel tragen (zum Beispiel „FER“). Ein Austausch ist innerhalb der Import-Original-Gruppe dann erlaubt, wenn die Darreichungsform therapeutisch vergleichbar ist (hier zum Beispiel „ILO“ und „FER“).

Ein Austausch außerhalb der Import-Original-Gruppe ist nur dann erlaubt, wenn es sich um Bioidenticals handelt, die die gleichen Ausgangsstoffe und denselben Herstellungsprozess aufweisen. Diese sind in der Anlage I zum Rahmenvertrag gelistet:

Für den Wirkstoff Adalimumab sind keine Bioidenticals gelistet, sodass ein Austausch eines konkret verordneten Produktes nur innerhalb der Import-Original-Gruppe stattfinden darf.