Olanzapin ist ein Wirkstoff, der zur Behandlung der Schizophrenie und manischer Episoden eingesetzt wird.
In Deutschland wurde Olanzapin 1996 unter dem Namen Zyprexa® eingeführt. Durch den Ablauf des Patents
Ende September 2011 stehen seit kurzem auch generische Präparate zur Verfügung.
Für den Therapieerfolg mit Olanzapin ist die Compliance der Patienten von wesentlicher Bedeutung. Diese ist jedoch schnell gefährdet, z. B. wenn unerwünschte Nebenwirkungen auftreten oder weil der Therapieerfolg zunächst auf sich warten lässt. Durch den Eintritt der Generika kommen mögliche Präparate-Wechsel hinzu, die zu einer Verunsicherung der Patienten führen und so die Compliance ebenfalls gefährden können. Dabei ist zu bedenken, dass es sich bei psychotischen Störungen um kritische Indikationen handelt, bei denen Patienten ohnehin häufig eine psychische Instabilität aufweisen.
Durch eine fachkundige Beratung in der Apotheke können Sie die Patienten-Compliance gezielt fördern und damit wesentlich zum Therapieerfolg beitragen.
Mit dieser Fortbildung können Sie Ihr Wissen hinsichtlich der Wirkung und Anwendung von Olanzapin auffrischen und vertiefen. Zudem erhalten Sie Hilfestellungen bezüglich der korrekten Abgabe von Olanzapin nach Eintritt der Generika sowie Tipps für Ihr Kundengespräch in der Apotheke.
Hinweis:
Am Ende der Fortbildung finden Sie ein Glossar, in dem verwendete Fachbegriffe (kursiv gesetzt) erklärt werden.
Der Wirkstoff Olanzapin
Entsprechend der Vielfältigkeit psychotischer Störungen gibt es eine Vielzahl an Substanzen, die im Rahmen einer medikamentösen Therapie eingesetzt werden können. In dieser Fortbildung wird die Substanz Olanzapin ausführlich besprochen.
Olanzapin ist ein verschreibungspflichtiger, antipsychotischer Wirkstoff aus der Gruppe der atypischen Neuroleptika.
Unter dem Begriff „atypische Neuroleptika“ werden verschiedene Substanzen
zusammengefasst, die seit den 1990er Jahren zur Behandlung der Schizophrenie
und anderer Psychosen eingesetzt werden. Im Vergleich zu den älteren, klassischen
(= typischen) Neuroleptika besitzen sie vor allem ein günstigeres Nebenwirkungsprofil.
Insbesondere werden extrapyramidal-motorische Störungen (EPMS) und
Spätdyskinesien deutlich seltener verursacht als bei einer Behandlung mit typischen
Neuroleptika wie z. B. Haloperidol.
Olanzapin ist ein antimanischer und stimmungsstabilisierender Wirkstoff, der bei Schizophrenien sowie zur Behandlung manischer Episoden und zur Rückfallprophylaxe bei bipolaren Störungen eingesetzt wird. Chemisch gehört es zu den Thienobenzodiazepin-Derivaten.
In Deutschland wurde Olanzapin 1996 unter dem Namen Zyprexa® zur Behandlung bei Schizophrenie eingeführt. Ende 2003 wurde Olanzapin unter dem gleichen Namen in Deutschland auch zur Phasenprophylaxe bei bipolaren Störungen bei Patienten zugelassen, deren manische Episode auf eine Behandlung mit Olanzapin angesprochen hat.
Seit Oktober 2011 stehen auch generische Präparate wie z. B. Olanzapin Heumann zur Verfügung. Damit hat nicht nur der behandelnde Arzt die Möglichkeit, bei der Verordnung auf ein preisgünstiges Generikum zurückzugreifen – auch in der Apotheke ergibt sich dadurch häufig die Möglichkeit bzw. ggf. auch eine Verpflichtung zur vorrangigen Abgabe eines generischen Präparates (siehe Kapitel „Die Abgabe von Olanzapin nach Eintritt der Generika“).
Anwendungsgebiete
Olanzapin ist zur Behandlung der Schizophrenie bei Erwachsenen zugelassen. Bei Patienten, die initial auf die Behandlung angesprochen haben, ist Olanzapin zur Aufrechterhaltung der klinischen Besserung bei fortgesetzter Behandlung angezeigt.
Zudem ist Olanzapin zur Behandlung von mäßig schweren bis schweren manischen Episoden bei Erwachsenen zugelassen. Bei Patienten, deren manische Episode auf eine Behandlung mit Olanzapin angesprochen hat, ist Olanzapin zur Phasenprophylaxe bei Patienten mit bipolarer Störung angezeigt.
Olanzapin ist nicht angezeigt für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren.
I. Schizophrenie
Die Schizophrenie ist eine schwere psychische Erkrankung, die vor allem durch Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und der Affektivität gekennzeichnet ist.
Der aus dem Griechischen stammende Begriff Schizophrenie bedeutet „gespaltenes Bewusstsein“, womit jedoch nicht – wie häufig angenommen – eine gespaltene oder multiple Persönlichkeit gemeint ist. Vielmehr wird damit ein Nebeneinander von gesunden und kranken Zuständen in Bezug auf das Denken, Fühlen und Wollen beschrieben.
Symptome
Die Erkrankung ist durch ein Muster von Störungen in den Funktionsbereichen Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Denken, Ich-Funktion, Affektivität, Antrieb und Psychomotorik gekennzeichnet, das individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann.
Als sog. Positivsymptome werden Übersteigerungen und starke Fehlinterpretationen des normalen Erlebens und Wahrnehmens bezeichnet. Typische Positivsymptome sind Konzentrationsstörungen, inhaltliche und formale Denkstörungen, Ich-Störungen sowie Sinnestäuschungen wie z. B. akustische Halluzinationen.
Als Negativsymptome werden Einschränkungen des normalen Erlebens wie Apathie, verringerte Affektivität oder Depressionen bezeichnet.

Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 50, Schizophrenie
Verlauf
Eine Schizophrenie kann chronisch verlaufen; häufiger ist jedoch ein schubweiser Verlauf mit akuten und nicht akuten Krankheitsphasen. Ein Schub (also eine akute Krankheitsphase) kann Wochen, aber auch mehrere Monate andauern, bis es dann zu einem mehr oder weniger vollständigen Abklingen der Krankheitssymptome kommt. Nach einiger Zeit – das können Monate oder Jahre sein – tritt ein neuer Schub ein. Nur in seltenen Fällen bleibt es bei einem einzigen Schub. Der erste Krankheitsschub tritt in der Regel zwischen der Pubertät und dem 30sten Lebensjahr auf.
Zwischen den akuten Krankheitsphasen kann es zu einem vollständigen Rückgang (Remission) der Symptome komme. Meist folgt einem Krankheitsschub jedoch eine Residualphase, die durch negative Symptome wie Antriebsmangel, Depressivität und soziale Isolation gekennzeichnet ist. Die Ausprägung dieser Residualsymptome kann über den Krankheitsverlauf stabil bleiben; häufig werden sie jedoch nach jedem Schub stärker.
Ursachen
In Bezug auf die Entstehung und Ausprägung einer Schizophrenie spielen nach derzeitigem Kenntnisstand sowohl neurobiologische als auch psychologische und soziale Faktoren eine Rolle. Als Hauptrisikofaktor für die Entstehung einer Schizophrenie gilt eine genetische Disposition. Kommen zu einer vorhandenen Vulnerabilität belastende psychosoziale Faktoren, können diese schließlich eine schizophrene Psychose auslösen (Vulnerabilitäts- Stress-Modell).
Neurobiologisch ist insbesondere eine Störung in zerebralen Nervenzellverbänden, die den Neurotransmitter Dopamin verwenden, von Bedeutung. Dies wird u. a. aus der Wirksamkeit von Arzneistoffen geschlossen, die durch die Blockade von Dopamin-Rezeptoren eine reduzierte Aktivität in diesen Bereichen bewirken. Die Vielfalt der Symptome schizophrener Erkrankungen deutet jedoch darauf hin, dass auch Störungen in anderen Neurotransmitter- Systemen, z. B. den über Glutamat, Serotonin oder GABA kommunizierenden Systemen, beteiligt sind.
Therapie
Die Therapie einer Schizophrenie ist komplex und umfasst in der Regel neben einer medikamentösen Behandlung verschiedene psycho-, sozio- und ergotherapeutische Maßnahmen. Im Rahmen der medikamentösen Behandlung kommen in erster Linie Neuroleptika zum Einsatz, die auf verschiedene Neurotransmitter-Systeme wirken und darüber zu einer Besserung der Symptome führen.
II. Bipolare Störungen
Bipolare Störungen sind schwere psychische Erkrankungen, bei denen Betroffene unter extremen, in Phasen verlaufenden Stimmungsschwankungen leiden. Durch den ständigen Wechsel zwischen starken Glücksgefühlen (manische Phasen) und Trauer und Verzweiflung (depressive Phasen) wird die Bewältigung des Alltags fast unmöglich. Die Belastung ist so schwerwiegend, dass Betroffene ein stark erhöhtes Selbstmordrisiko aufweisen.
Symptome
Charakteristisch für manische Episoden ist eine unbegründet gehobene Stimmung. Daneben sind Unruhe und Rastlosigkeit, der Verlust sozialer Hemmungen und ein unkontrollierter Umgang mit Geld, Alkohol und Drogen häufig.
Depressive Phasen hingegen sind durch Schwermut, Interessensverlust, Angst, Pessimismus, Ermüdung und ein vermindertes Konzentrationsvermögen gekennzeichnet.
Ursachen
Die Ursachen für bipolare Störungen sind bislang nicht vollständig geklärt. Ähnlich wie bei der Schizophrenie geht man von einem Zusammenspiel von neurobiologischen, psychischen und sozialen Faktoren aus. Dabei spielen genetische Faktoren ebenfalls eine wesentliche Rolle für das Erkrankungsrisiko.
Neurobiologisch liegen auch hier Störungen des Gleichgewichts bestimmter Botenstoffe im Gehirn vor. Während depressiver Phasen ist z. B. eine verminderte Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin festzustellen. In der manischen Phase hingegen liegen Dopamin und Noradrenalin in erhöhter Konzentration vor. Ähnlich wie bei der Schizophrenie wird ein Vulnerabiltäts-Stress-Modell angenommen: Besteht eine genetische Disposition für die Erkrankung, können äußere Umstände wie andauernder Stress oder gravierende Ereignisse die Krankheit auslösen.
Therapie
Bipolare Störungen werden meist in drei aufeinanderfolgenden Therapieverfahren behandelt.
Die medikamentöse Therapie besteht in allen drei Phasen aus den sog. Stimmungsstabilisatoren, mit denen die Häufigkeit, Dauer und Schwere der Krankheitssymptome reduziert und Stimmungsschwankungen ausgeglichen werden sollen. Häufig eingesetzte Wirkstoffe sind Lithium, Valproinsäure oder Carbamazepin. Weiterhin werden Neuroleptika wie Olanzapin sowie Antidepressiva – oft in Kombination mit einem der genannten Stimmungsstabilisatoren – eingesetzt.
Die Wirkung von Olanzapin
Olanzapin besitzt eine antimanische und stimmungsstabilisierende Wirkung.
Bei Schizophrenie wirkt sich Olanzapin günstig sowohl auf Negativsymptome wie Interessenverlust und Antriebslosigkeit als auch auf Positivsymptome wie Wahn oder Halluzinationen aus.
Bei Patienten mit bipolarer Erkrankung bewirkt Olanzapin eine Besserung der manischen Symptome und kann das Wiederauftreten einer Manie sowie auch von Depression verhindern oder verzögern.
Der genaue Wirkmechanismus von Olanzapin ist bis heute nicht vollständig geklärt. Die Wirkung wird vor allem einer antagonistischen Wirkung auf zerebrale Serotonin- und Dopamin-Rezeptoren zugeschrieben.
Olanzapin reagiert auch mit verschiedenen weiteren Neurotransmitter-Systemen. In präklinischen Studien zeigte Olanzapin Affinitäten für eine ganze Reihe von Rezeptoren:
- Serotonin 5HT2A/2C, 5HT3, 5HT6
- Dopamin D1, D2, D3, D4, D5
- cholinerge Muskarinrezeptoren (M1–M5)
- α1-adrenerge und
- Histamin-H1-Rezeptoren
Tierverhaltensstudien zeigten serotonerge, dopaminerge und cholinerge antagonistische Wirkungen, die den jeweiligen Rezeptor-Bindungs-Profilen entsprechen. Sowohl In-vitro- als auch In-vivo-Untersuchungen belegen eine höhere Affinität zu Serotonin-5HT2- als zu Dopamin-D2-Rezeptoren. Durch Olanzapin wird die Reizübertragung von mesolimbischen, dopaminergen Neuronen selektiv verringert; die striatalen Leitungen der motorischen Funktionen werden hingegen nur wenig beeinflusst. Insgesamt werden die Blockade der 5HT2- und M1-Rezeptoren sowie eine schwächere Blockade der D2-Rezeptoren in den striatalen Bahnen für das im Vergleich zu Haloperidol günstigere Nebenwirkungsprofil in Bezug auf extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen verantwortlich gemacht. Als ein weiterer Vorteil gegenüber Haloperidol wird häufig ein weniger stark ausgeprägter Prolaktin-Anstieg unter Olanzapin genannt. Erhöhte Prolaktin-Werte können bei Frauen u. a. zum Ausbleiben des Eisprunges und der Menstruation führen.
Die Anwendung von Olanzapin
Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte aufgeführt, die es bei der Anwendung von Olanzapin-Präparaten zu berücksichtigen gilt. Ausführlichere Angaben, insbesondere in Bezug auf die Gegenanzeigen und mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen, können der jeweiligen Fachinformation entnommen werden.
Einnahmehinweise
- Olanzapin wird einmal täglich, möglichst immer zur selben Tageszeit, angewendet.
- Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen, da die Resorption durch die Nahrung nicht beeinflusst wird.
Die empfohlene Anfangsdosis für Olanzapin hängt von der vorliegenden Indikation ab.
- Bei Schizophrenie beträgt sie 10 mg/Tag.
- Bei manischen Episoden beträgt die empfohlene Anfangsdosis bei einer Monotherapie 15 mg und bei einer Kombinationstherapie 10 mg täglich.
- Zur Phasenprophylaxe bei bipolaren Störungen wird eine Anfangsdosis von 10 mg/Tag empfohlen. Bei Patienten, die Olanzapin zur Behandlung einer manischen Episode erhalten haben, erfolgt die weitere Behandlung zur Rückfallvorbeugung zunächst mit derselben Dosis.
Bei allen Indikationen kann die Dosis auf der Grundlage erneuter klinischer Beurteilungen in einem Bereich von 5–20 mg /Tag angepasst werden.
Die Beendigung einer Olanzapin-Behandlung sollte durch eine schrittweise Verminderung der Dosis erfolgen.
Gegenanzeigen
Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile sollten Olanzapin- Präparate nicht eingenommen werden. Weiterhin ist Olanzapin bei Patienten mit bekanntem Risiko eines Engwinkelglaukoms kontraindiziert.
Zudem gibt es eine Reihe von Erkrankungen, bei deren Vorliegen Olanzapin möglichst nicht oder nur mit Vorsicht verabreicht werden sollte. Dazu zählen u. a.
- Demenzassozierte Psychosen und/oder Verhaltensstörungen
- Parkinsonsche Erkrankung
- Leberfunktionsstörung
- Neutropenie
- Krampfanfälle
Nebenwirkungen
Zu den häufigsten unerwünschten Wirkungen zählen Schläfrigkeit, Gewichtszunahme sowie eine Erhöhung der Prolaktin-, Cholesterin-, Glukose- und Triglyzeridwerte im Blut. Weitere häufig beobachtete Nebenwirkungen sind u. a. Eosinophilie, Schwindel, Halluzinationen, orthostatische Hypotonie, Mundtrockenheit, Verstopfung, vorübergehende Erhöhungen von Lebertransaminasen und Ödeme. Zu den seltenen Nebenwirkungen zählen z. B. extrapyramidal-motorische Störungen, Akkomodationsstörungen, Leukopenie, Neutropenie, Krampfanfälle, Leberentzündung, Hautausschläge und erniedrigte Herzfrequenz.
Wechselwirkungen
Olanzapin wird vorwiegend über CYP1A2 des Cytochrom P450-Systems metabolisiert. Die gleichzeitige Verabreichung von CYP1A2-Inhibitoren (z. B. Fluvoxamin) kann daher zu einer erheblichen Erhöhung der Olanzapin- Konzentration führen.
Vorsicht ist zudem bei der gleichzeitigen Einnahme von Alkohol oder Arzneimitteln, welche eine Hypotonie, erniedrigte Herzfrequenz, Atemdepression oder Depression des Zentralnervensystems auslösen können, geboten. Olanzapin kann die Wirkung von indirekt oder direkt wirksamen Dopaminagonisten abschwächen.
Arzneimittelabgabe und Beratung in der Apotheke
Die Abgabe von Arzneimitteln ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die gerade auch bei verschreibungspflichtigen Arzneistoffen wie Olanzapin eine hohe Fachkompetenz des Apothekenpersonals erfordert. Denn häufig besteht ein gewisser Entscheidungsspielraum bezüglich der Auswahl eines Präparates aus mehreren abgabefähigen Produkten. Dies erfordert neben der genauen Kenntnis der gesetzlichen Regelungen auch ein Gespür für die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden. Des Weiteren gilt es, die Kunden über die richtige Anwendung des Medikaments und mögliche Neben- und Wechselwirkungen zu informieren. Indem Sie gezielt auf die Bedeutung der regelmäßigen Anwendung der Arzneimittel hinweisen, können Sie die Patienten-Compliance zusätzlich fördern und auch damit einen erheblichen Einfluss auf den Therapieerfolg nehmen.
Die Abgabe von Olanzapin nach Eintritt der Generika
Seit Oktober 2011 stehen neben Zyprexa® auch wirtschaftlichere, generische Olanzapin-Präparate wie z. B. Olanzapin Heumann zur Verfügung. Dadurch ergibt sich in der Apotheke immer häufiger die Möglichkeit bzw. oft auch die Notwendigkeit einer Arzneimittelsubstitution. Denn der Rahmenvertrag zur Arzneimittelvesorgung nach §129 SGB V zwischen den Spitzenverbänden der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) und dem Deutschen Apothekerverband (DAV) verpflichtet dazu, vorrangig Arzneimittel mit Rabattvertrag abzugeben, sofern der Arzt eine Substitution nicht durch Ankreuzen des Aut-idem-Feldes ausgeschlossen hat (Aut-idem- Ausschluss).
Für eine Substitution müssen allerdings die im Rahmenvertrag festgelegten Substitutionskriterien erfüllt sein.
Als Voraussetzung für eine Substitution gilt das Vorliegen
- des gleichen Wirkstoffs
- der identischen Wirkstärke
- der identischen Packungsgröße
- der gleichen oder austauschbaren Darreichungsform
- eines gleichen Anwendungsgebiets
Hinsichtlich des gleichen Anwendungsgebiets wurde in Vergangenheit häufig diskutiert, ob eine einzige Überschneidung der Indikationen ausreicht oder ob eine Substitution nur dann erfolgen darf, wenn das abzugebende, rabattierte Präparat alle Anwendungsgebiets des verordneten Arzneimittels abdeckt. Das Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG), das zum 1. Januar 2011 in Kraft getreten ist, hat hier Klarheit verschafft: Als Voraussetzung für eine Substitution gilt, dass das Austauschpräparat für ein gleiches Anwendungsgebiet wie das verordnete zugelassen ist. Weitere Änderungen, die das AMNOG mit sich gebracht hat, betreffen die Packungsgrößenverordnung. Als identisch und damit austauschbar gelten jeweils Packungen, die das gleiche Packungsgrößenkennzeichen (N1, N2 oder N3) tragen.
Für Olanzapin gilt: N1 = 24–36, N2 = 50–62, N3 = 67–70.
Ein wichtiges Kriterium ist auch die gleiche oder austauschbare Darreichungsform. Denn oftmals bringen Generika-Hersteller andere Darreichungsformen auf den Markt als der Erstanbieter. Eine uneingeschränkte Substituierbarkeit ist in diesem Fall nicht unbedingt gegeben und muss daher im Falle einer Arzneimittelsubstitution überprüft werden.
Beispiel Olanzapin:
Das Original Zyprexa® wird als überzogene Tabletten angeboten. Zusätzlich ist mit Zyprexa Velotab® eine Schmelztablette erhältlich. Die meisten Generika-Hersteller bieten Olanzapin jedoch nur (oder auch) in Form einer Filmtablette an. Diese verschiedenen Darreichungsformen sind derzeit untereinander nicht austauschbar, denn der G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) hat den Austausch bislang nicht freigegeben. Nur wenige Hersteller bieten wie der Erstanbieter eine überzogene Tablette sowie eine Schmelztablette an und bieten damit die Möglichkeit, alle Patienten weiterhin mit ihrer gewohnten Darreichungsform zu therapieren.
Beratung im Falle einer Umstellung auf generisches Olanzapin
Durch den Eintritt der Generika erhalten viele Patienten, die bislang Zyprexa® genommen haben, nun oder in Zukunft ein anderes Präparat. Diese Umstellung kann entweder durch den Arzt erfolgen oder sich durch eine Arzneimittelsubstitution in der Apotheke ergeben.
Solch ein Präparate-Wechsel bringt für den Patienten grundsätzlich keine Nachteile: Da eine nachgewiesene Bioäquivalenz Voraussetzung für die Zulassung eines Generikums ist, ist auch die therapeutische Wirksamkeit mit dem Original vergleichbar. Bei kritischen Indikationen wie Schizophrenie und bipolaren Störungen, die eine sorgfältige, individuelle Einstellung des Patienten auf die Medikation erfordern, ist insbesondere eine vergleichbare Bioverfügbarkeit des Generikums bezogen auf die Referenzsubstanz von entscheidender Bedeutung für eine sichere Umstellung. Klinische Studien zeigen die Bioäquivalenz zwischen Generikum und Referenzmittel, wie z. B. eine im Jahr 2006 durchgeführte, randomisierte Studie an erwachsenen, gesunden, männlichen Probanden mit Olanzapin Heumann und dem Referenzpräparat Zyprexa®:
Da die therapeutische Wirksamkeit eines Generikums dem des Originals entspricht, müssen sich Patienten bei einer Umstellung lediglich an den neuen Namen und an das etwas andere Aussehen ihres Medikaments gewöhnen. Dennoch kann eine Umstellung auf ein Generikum den Patienten soweit verunsichern, dass die Compliance und damit der Therapieerfolg gefährdet sind. Dies gilt für Patienten mit psychotischen Störungen in besonderem Maße, da sie ohnehin häufig psychisch instabil sind und das Vertrauen in die medikamentöse Therapie leicht zu erschüttern ist. Gerade bei der Behandlung psychotischer Erkrankungen ist eine hohe Compliance in der Arzneimitteltherapie jedoch von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg.
Durch eine entsprechende Beratung in der Apotheke können Sie die Patienten-Compliance im Falle eines Präparate-Wechsels jedoch gezielt fördern. Indem Sie über die Hintergründe aufklären und die Vergleichbarkeit der Produkte hinsichtlich Wirkung und Qualität betonen, lassen sich Verunsicherungen seitens der Patienten oft beheben. Nicht zuletzt sollten Sie immer auch die Bedeutung der regelmäßigen Medikamenteneinnahme ansprechen, um Patienten in ihrer Eigenverantwortung zu fördern.
Anhand eines exemplarischen Beratungsgesprächs möchten wir Ihnen Anregungen geben, wie Sie Ihr Beratungsgespräch im Falle einer Umstellung von Zyprexa® auf ein generisches Präparat gestalten können.
Exemplarisches Beratungsgespräch:
Umstellung von Zyprexa® auf ein Generikum
(
= Kunde /
= Apotheker)
- Guten Tag! Ich möchte gerne dieses Rezept einlösen.
- Gerne – das Arzneimittel haben wir vorrätig.
- Das ist aber gar nicht das Medikament, das ich sonst immer bekommen habe!
- Richtig. Zu dem Medikament Zyprexa® gibt es nun auch sogenannte Generika. Das sind Nachahmerprodukte, die den gleichen Wirkstoff wie das Original-Medikament enthalten, aber preisgünstiger sind. Ihr Arzt hat Ihnen daher nun ein generisches Olanzapin-Präparat verschrieben.
- Ich möchte aber lieber mein gewohntes Medikament haben, denn das vertrage ich sehr gut.
- Dann werden Sie auch das generische Produkt sehr gut vertragen, denn es besitzt den gleichen Wirkstoff in genau der gleichen Dosierung. Die therapeutische Vergleichbarkeit der beiden Arzneimittel wurde durch Studien belegt. Sie müssen sich also nur an das andere Aussehen der Tabletten und der Packung gewöhnen, sonst bleibt für Sie alles beim Alten. Wichtig ist, dass Sie Ihr Medikament wie gehabt 1 x täglich einnehmen, denn nur dann kann es zuverlässig wirken. In Bezug auf die Umstellung brauchen Sie aber keine Bedenken zu haben.
- In Ordnung, dann probiere ich es mit neuen Präparat.
- Gut. Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?
- Nein, vielen Dank. Auf Wiedersehen!
Wichtige Hinweise zur Anwendung von Olanzapin
Bei der Abgabe eines Olanzapin-Präparates sollten Sie den Patienten stets auch hinsichtlich der richtigen Anwendung beraten – unabhängig davon, ob es sich um einen Präparate-Wechsel handelt oder nicht.
Folgende Hinweise können Sie im Rahmen Ihres Beratungsgesprächs geben:
- Olanzapin wird 1 x täglich, möglichst immer zur selben Tageszeit, eingenommen.
- Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.
- Es kann mehrere Tage bis zu einigen Wochen dauern, bis sich eine Wirkung der Arzneimitteltherapie zeigt. Darauf sollten Patienten unbedingt hingewiesen werden, damit sie die Therapie nicht aufgrund des zunächst ausbleibenden Therapieerfolgs abbrechen!
- Nach der Einnahme von Olanzapin kann sich der Patient benommen fühlen und sollte in diesem Fall kein Fahrzeug und keine Maschinen bedienen.
- Während einer Olanzapin-Therapie sollte auf den Konsum von Alkohol möglichst verzichtet werden, denn Olanzapin und Alkohol können zusammen zu Benommenheit führen.
- Häufigste Nebenwirkungen bei der Einnahme von Olanzapin sind Gewichtszunahme, Schläfrigkeit sowie eine Erhöhung der Prolaktinwerte im Blut. Diese sind in der Regel kein Grund für einen Therapieabbruch. Im Zweifelsfall sollte immer der behandelnde Arzt konsultiert werden.
- Fühlt der Patient sich besser, sollte er die Einnahme von Olanzapin nicht einfach beenden, sondern vorher unbedingt Rücksprache mit dem Arzt halten.
Diese Hinweise zur Anwendung von Olanzapin können – ebenso wie Ihre Beratung zu den Hintergründen bei einer Präparate-Umstellung – das Vertrauen der Patienten in die Arzneimitteltherapie stärken und damit die Compliance nachhaltig fördern. Damit leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Therapieerfolg bei Patienten mit einer schweren psychotischen Erkrankung wie Schizophrenie oder bipolaren Störungen.
Glossar
| Anhedonie | Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden |
| Apathie | Teilnahmslosigkeit, mangelnde Erregbarkeit und Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen |
| Engwinkelglaukom | Eine Form des Glaukoms, bei der es zu einer Erhöhung des Augeninnendruckes durch eine Behinderung im Abfluss des Kammerwassers kommt |
| Eosinophilie | Erhöhung der Zahl eosinophiler Granulozyten im Blutbild; Sonderform der Leukozytose |
| Extrapyramidal-motorische Störungen | Störungen im Bewegungsablauf, bei denen es zu einer Zunahme oder Verminderung der Bewegungen, verbunden mit erhöhtem oder vermindertem Spannungszustand der Muskeln, kommt |
| Extrapyramidal-motorisches System | Alle ins Rückenmark ziehende, motorische Bahnen, die nicht der Pyramidenbahn angehören |
| GABA | Gamma-Amino-Buttersäure |
| Genetische Disposition | Genetisch bedingte Anfälligkeit; Veranlagung |
| Ich-Störung | Erlebensweisen, bei denen es zu Störungen der Ich-Umwelt- Grenze oder zu Störungen des personalen Einheitserlebens („Ich-Erleben“) kommt |
| In vitro | Organische Vorgänge, die außerhalb eines lebenden Organismus stattfinden |
| In vivo | Prozesse, die im lebendigen Organismus ablaufen |
| Konkretismus | Schwierigkeiten im Sinnverständnis, die durch ein Festhalten an der konkreten Wortbedeutung verursacht werden; mangelnde Abstraktionsfähigkeit |
| Leukopenie | Mangel an Leukozyten (weißen Blutkörperchen) im Blut |
| Mesolimbisches System | Eine Reihe von Nervenstraßen im Gehirn, die entscheidend an der Entstehung der Emotion Freude beteiligt sind; wird auch als „positives Belohnungssystem“ bezeichnet |
| Neologismus | Neu eingeführter oder neuartig gebrauchter sprachlicher Ausdruck; hier im Sinne von „Wortneuschöpfungen“ zu verstehen |
| Neutropenie | Verminderung der neutrophilen Granulozyten im Blut |
| Orthostatische Hypotonie | Eine bei Wechsel in die aufrechte Körperlage (Orthostase) auftretende Regulationsstörung des Blutdrucks |
| Prolaktin | Hormon, welches das Wachstum und die Differenzierung der Brustdrüse während der Schwangerschaft stimuliert; unterdrückt auch den Eisprung |
| Residualphase | Phase im Anschluss einer akuten Krankheitsphase, in der sich noch Restsymptome zeigen |
| Remission | Temporäres oder dauerhaftes Nachlassen von Krankheitssymptomen |
| Spätdyskinesien | Bewegungsstörungen, die als möglicher Schaden bei längerem Gebrauch von Neuroleptika auftreten können |
| Striatium | Teil der Basalganglien, die zum Großhirn gehören; wichtige Schaltstelle im extrapyramidal-motorischen System |
| Vulnerabilität | Anfälligkeit, Verwundbarkeit, Verletzbarkeit |
Quellen
- Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 50, Schizophrenie (Herausgeber: Robert Koch-Institut), Berlin 2010
- Kompetenznetz Schizophrenie (KNS): www.kompetenznetz-schizophrenie.de
- Ratgeber Bipolare Störung: www.bipolare-stoerung.com
- Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. (DGBS): www.dgbs.de
- Fachinformation Zyprexa®, Stand November 2010
- Fachinformation Olanzapin Heumann, Stand: Mai 2011
Fachinformationen:
- Fachinformation Olanzapin Heumann überzogene Tabletten (bis 10 mg)
- Fachinformation Olanzapin Heumann überzogene Tabletten (ab 15 mg)
- Fachinformation Olanzapin Heumann Schmelztabletten
Kontrollfragen






