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Arzneitees stellen eine schonende und wirksame Therapie für eine Reihe von Krankheitsbildern dar. Sie können als alleiniges Arzneimittel oder ergänzend zu einer vom Arzt verordneten Therapie eingesetzt werden. Mit der fach­kundigen Beratung hinsichtlich der Auswahl und richtigen Anwendung fördert das Apotheken­personal den Therapieerfolg und damit die Zufrie­denheit und das Vertrauen der Kunden.

Mit dieser Fortbildung können Sie Ihr Wissen über Arzneitees und deren Anwendung vertiefen. Die Fortbildung gliedert sich in 3 Module. In Modul 1 wird besprochen, was unter einem Arzneitee genau zu verstehen ist und wie Arzneitees hergestellt, zubereitet und dargereicht werden. Modul 2 beschäftigt sich mit den Hauptanwendungsgebieten und der Wirkung bestimmter Arzneitees, Modul 3 behandelt schließlich die Abgabe von Arzneitees in der Apotheke.

Inhalt



MODUL 1:

TEE ALS ARZNEIMITTEL

Phytopharmazie – traditionelle, bewährte Arzneien und
moderne Forschung

Seit Jahrtausenden werden Pflanzen zur Heilung von Krankheiten und zur Linderung von Beschwerden erfolgreich verwendet. Auch heute spielen aus Pflanzen gewonnene Arzneimittel, sogenannte Phytopharmaka (griechisch: phyton = Pflanze, pharmakon = Arzneimittel), eine wichtige Rolle in der Arzneimitteltherapie. In der modernen Phytopharmazie verbinden sich die langjährigen traditionellen Erfahrungen mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen der Arzneimittelforschung.

Pflanzliche Drogen

Die pflanzlichen Ausgangsmaterialien, die für die Zubereitung pflanzlicher Arzneimittel verwendet werden, werden auch als „pflanzliche Drogen“ bezeichnet. Sie bestehen entweder aus noch unverarbeiteten ganzen oder aus zerkleinerten Pflanzen, Pflanzenteilen, Algen oder Flechten.
Gruppen pflanzlicher Drogen
Je nachdem, welche Pflanzenteile Verwendung finden, werden pflanzliche Drogen in bestimmte Drogengruppen eingeordnet, wie z. B. Blattdrogen oder Blütendrogen. Auf die jeweilige Drogengruppe lässt sich auch aus der Bezeichnung einer pflanzlichen Droge schließen: Der Name setzt sich aus dem Genitiv des lateinischen Namens der Pflanzengattung sowie der lateinischen Bezeichnung des verwendeten Pflanzenteils zusammen.

Beispiel:
Valerianae radix = Baldrianwurzel ( Valeriana = Gattungsname , radix = Wurzel)
In Arzneitees sind vor allem Blattdrogen, Blütendrogen, Fruchtdrogen, Krautdrogen und Wurzeldrogen enthalten. Weitere Drogengruppen sind Samen-, Holz- und Rindendrogen sowie Zwiebeln, Stärken, Triebspitzen und Harze. Auch diese können in Arzneitees enthalten sein.
Drogengruppen und ihre Bezeichnung
Blatt: folium Blüte: flos Frucht: fructus
Harze: resina Holz: lignum Kraut: herba
Rinde: cortex Samen: semen Stärke: amylum
Triebspitzen: stipites Wurzel: radix Zweig: ramulus
Zwiebeln: bulbus
Monographien pflanzlicher Drogen
Zur Beurteilung der therapeutischen Wirksamkeit von Arzneipflanzen hat die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes – BGA (Vorläufer des heu- tigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte – BfArM) in den Jahren 1978-1995 sogenannte Monographien („Einzelschriften“, wissenschaftliche Abhand- lungen einzelner Objekte) von den wichtigsten pflanzlichen Drogen erstellt. Diese enthalten Angaben zu den Inhaltsstoffen, zur Wirkung und zu den Anwendungs- gebieten der Droge. Weiterhin sind Gegenanzeigen, mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln angegeben. Mit der Erstellung der Monographien wurde auch die Eignung der pflanzlichen Drogen zur Behandlung von Erkrankungen bewertet. Bei einer positiven Bewertung waren die Fachleute der Auffassung, dass die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ausreichend gezeigt und die Droge zur Behandlung von Krankheiten geeignet ist. Bei nicht ausreichendem wissenschaftlichen Material zum Nachweis der Wirksamkeit oder bei einem negativen Nutzen-Risiko-Verhältnis erfolgte eine negative Bewertung. Neben vielen Monopräparaten wurden auch einige Kombinationen von pflanzlichen Drogen positiv monographiert – diesen definierten Kombinationen („Fixe Kombination“) wird demnach eine spezielle therapeutische Wirkung zugesprochen.

Diese von der Kommission E des BGA/BfArM erstellten Monographien sind Grundlage vieler phytotherapeutischer Veröffentlichungen und weiterer Arzneibeurteilungen. Heute erfolgt die Beurteilung pflanzlicher Arzneimittel auf europäischer Ebene durch das im Jahr 2004 eingerichtete Herbal Medical Products Committee (HMPC), welches der europäischen Zulassungsagentur EMA angehört. Neben der Erarbeitung von Leitlinien zur Bewertung von Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit pflanzlicher Arzneimittel erstellt der Ausschuss Monographien zu pflanzlichen Drogen. Dabei erfolgt eine Einordnung in „well-established medicinal use“ (anerkannte medizinische Wirkung und akzeptierte Unbedenklichkeit) und „traditional use“ (traditionelles Arzneimittel).
Pflanzliche Drogen zur Teebereitung
Pflanzliche Drogen, die der Herstellung von Arzneitees dienen, werden „pflanzliche Drogen zur Teebereitung“ genannt. Sie müssen den besonderen Anforderungen des Europäischen Arzneibuchs, das Teil des Arzneibuchs nach § 55 des Arznei- mittelgesetzes ist, entsprechen. Dieses enthält u. a. Vorschriften zur Reinheit der Droge und zur mikrobiologischen Qualität. Für die Mengen an Verunreinigungen sind enge Grenzwerte festgelegt, die sich nach der jeweiligen Zubereitungsart richten. Erfolgt die Zubereitung nicht mit siedendem oder kochendem Wasser, sind die Anforderungen besonders streng. Dann dürfen z. B. weder Salmonellen noch Escherichia coli-Bakterien enthalten sein, da diese Magen-Darm-Infekte auslösen können. Um den strengen Anforderungen zu genügen, können Arzneitees entkeimt werden. Die eingesetzten Verfahren dürfen allerdings keinen Einfluss auf die Inhaltsstoffe des Tees haben, damit die volle Wirksamkeit des Arzneimittels erhalten bleibt.
Mischungen von pflanzlichen Drogen zur Teezubereitung
Ein Arzneitee kann Bestandteile von nur einer Pflanzenart beinhalten. Häufig werden jedoch verschiedene pflanzliche Drogen in einer Teemischung in sinnvoller Weise kombiniert, um eine gute therapeutische Wirksamkeit bei einem bestimmten Krankheitsbild zu erreichen. Sinnvolle Kombinationen ergeben sich u. a. aus den positiven BGA/BfArM-Monographien.

Die Rezeptur einer Arzneitee-Mischung muss vom Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassen werden. Wie bei anderen Arzneimitteln sind auf der Verpackung bzw. der Packungsbeilage eines Arzneitees neben den Bestandteilen auch die Anwendungsgebiete, die Dosierung und die zu erwartende Wirkung zu kennzeichnen. Außerdem müssen Gegenanzeigen sowie mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln deklariert werden.
Arzneitees sind Einzeltees oder Teemischungen
  • mit einem pharmazeutisch definierten Drogenextrakt
  • mit definierter Indikation
  • mit vom BfArM zugelassener Rezeptur

Herstellung von Arzneitees

Die in Arzneitees enthaltenen Pflanzen entstammen entweder der freien Natur oder einer Arzneipflanzenkultur. Da sich frische Pflanzenteile nur zur direkten Verwendung eignen, werden Arzneitees gewöhnlich in getrocknetem Zustand angeboten.

Ausschlaggebend für eine gute Teequalität sind neben der fachgerechten Sammlung bzw. Kultivierung und Ernte der Pflanzen vor allem die Verarbeitung (Trocknung und Zerkleinerung) und die anschließende Lagerung. Ein schonendes Herstellungs- verfahren ist wichtig, damit die Wirkstoffe nicht zerstört werden und die volle therapeutische Wirkung der pflanzlichen Drogen erhalten bleibt.

Grundsätzlich können die Arzneipflanzen bzw. die verwendeten Pflanzenteile bei geringer Luftfeuchtigkeit an der Luft getrocknet werden. Meist werden sie zur Trocknung jedoch erhitzt. Da einige Wirkstoffe wie z. B. ätherische Öle temperaturempfindlich sind, sollte eine Erhitzung allerdings nur kurzzeitig erfolgen.

Eine Zerkleinerung der Pflanzenteile dient zum einen der besseren Portionierbarkeit; zum anderen lösen sich bei der Teezubereitung die Wirkstoffe besser aus den zerkleinerten Pflanzenteilen. Eine zu starke Zerkleinerung kann jedoch die Pflanzenbestandteile derart zerstören, dass wichtige Wirkstoffe verloren gehen könnten. Der übliche Zerkleinerungsgrad liegt bei Teilchengrößen von etwa 2-6 mm (je nach verwendeten Pflanzenteilen).
Einzigartiges Herstellungsverfahren: Hochdruck-Sprühtrocknung
Ein Beispiel für ein sehr schonendes Herstellungsverfahren ist die sogenannte Hochdruck-Sprühtrocknung. In einem patentierten, schonenden Herstellungs- verfahren werden zunächst die gewünschten Wirkstoffe aus den Heilkräutern extrahiert. Dabei entsteht ein zähflüssiges Extrakt, das anschließend unter hohem Druck in einem Heißluftstrom pulverisiert und dann in lichtgeschützte, aromaversiegelte Schraubgläser gefüllt wird. Bei diesem Verfahren bleiben die Wirkstoffe der Pflanzendrogen fast vollständig erhalten. Diese Instant-Technologie der Sprühtrocknung ist ein Unikat in Deutschland zur Herstellung von Arzneitees mit nachgewiesenem Qualitätsstandard.
Bei der Lagerung müssen Arzneitees sowohl vor Feuchtigkeit als auch vor Licht geschützt werden, damit Mikroorganismen sich nicht vermehren können und lichtempfindliche Inhaltstoffe nicht zerfallen. Aber auch bei fachgerechter Lagerung verlieren Arzneitees mit der Zeit ihre Wirkung und sollten daher nach Überschreiten des Verwendungsdatums zur Behandlung von Krankheiten und Beschwerden nicht mehr eingesetzt werden.

Zubereitungsarten

Arzneitees dienen in der Regel der Herstellung von Aufgüssen, Abkochungen und Kaltwasserauszügen. Bei diesen Zubereitungen werden die wirksamen Inhaltstoffe aus der Droge in Wasser gelöst, welches dann als pharmakologisch wirksame Arznei als Tee eingenommen wird. Außerdem gibt es Arzneitees in Form von löslichen Pulvern. Diese werden in heißem oder kaltem Wasser vollständig aufgelöst und sind zur sofortigen Einnahme geeignet.

Liegt der Arzneitee nicht in Form eines löslichen Pulvers vor, bieten sich je nach Art der enthaltenen Pflanzenteile unterschiedliche Zubereitungsarten an.

  • Der Aufguss, auch als Infus bezeichnet, ist geeignet, wenn weiche Pflanzenteile wie Blätter oder Blüten verwendet werden. Die Pflanzenteile werden mit siedendem Wasser aufgegossen und sollten dann für eine gewisse Zeit (etwa 10-15 Minuten) ziehen. Dabei werden die erwünschten Wirkstoffe aus der Pflanze ins Wasser freigesetzt.
  • Bei härteren Pflanzenteilen wie z. B. Wurzeln empfiehlt sich eine Abkochung (Dekokt). Bei dem direkten Kochvorgang (etwa 15 Minuten) lösen sich die Wirkstoffe auch aus dem harten Material. Allerdings eignen sich Arzneipflanzen mit hohen Anteilen an ätherischen Ölen nicht für eine Abkochung, da die Öle sich während des Kochens verflüchtigen.
  • Einige Pflanzendrogen geben bei einer Abkochung oder einem Aufguss auch unerwünschte Inhaltsstoffe frei. Hier kann ein Kaltwasserauszug (Mazerat), bei dem die erwünschten Wirkstoffe mit kaltem Wasser gelöst werden, durchgeführt werden. Der Lösungsvorgang kann hier allerdings einige Stunden bis hin zu mehreren Tage dauern. Dabei ist zu bedenken, dass eventuell vorhandene Keime bei dieser Zubereitungsart nicht abgetötet werden. Tees sollten daher nur dann mit kaltem Wasser zubereitet werden, wenn dies ausdrücklich auf der Packung angegeben ist.

Für die meisten Arzneitee-Mischungen ist der Aufguss die geeignete Methode, da fast immer weiche Pflanzenteile wie Blätter oder Blüten enthalten sind und ätherische Öle sehr häufig zu den Wirkkomponenten zählen.
Zubereitungsarten:
  • Aufguss (Infus)
  • Abkochung (Dekokt)
  • Kaltwasserauszug (Mazerat)

Darreichungsformen

Arzneitees werden meist als Filterbeutel oder auch als lose, getrocknete Pflanzenteile für einen Aufguss mit siedendem Wasser angeboten. Es gibt aber auch Arzneitees in Form von löslichen Pulvern.

Bei Filterbeuteln ist der Tee bereits portioniert, was für eine gute Dosierung wichtig ist. Dabei ist jedoch auch immer die richtige Ziehzeit zu beachten – nur dann erhält der Tee den gewünschten Wirkstoffgehalt. Hier bieten Arznei- tees, die in Form eines löslichen Pulvers vor- liegen, einen Vorteil. Da sich das Pulver vollständig auflöst, hängt hier der Wirkstoffgehalt nicht von einer Ziehzeit ab; die Wirkstoffe sind sofort und voll verfügbar. Da sich die benötigte Menge des Pulvers leicht mit einem Messlöffel abmessen lässt, sind Arzneitees in Form eines löslichen Pulvers sehr exakt dosierbar.
Darreichungsformen:
  • lose Pflanzenteile
  • Teebeutel
  • lösliches Pulver



MODUL 2:

THERAPIE MIT ARZNEITEES

Wann werden Arzneitees eingesetzt?

Bei leichten bis mittelschweren Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen werden Arzneitees oft als alleiniges Arzneimittel eingesetzt. Mit ihren therapeutisch wirksamen Bestandteilen führen sie zu einer Linderung oder Heilung der jeweiligen Erkrankung.

Darüber hinaus werden Arzneitees ergänzend zu einer vom Arzt verordneten Therapie eingesetzt. In diesem Fall unterstützt die Einnahme des Tees die verordnete Therapie und der Krankheitsverlauf wird durch den Tee zusätzlich positiv beeinflusst.

Die Krankheitsbilder, bei denen Arzneitees zur Anwendung kommen, sind vielfältig. Mit der großen natürlichen Vielfalt an Pflanzen geht auch eine Vielzahl an pharmazeutisch wirksamen Inhaltsstoffen einher. Hier können daher nur einige Hauptanwen- dungsgebiete angeführt werden.

Hauptanwendungsgebiete für Arzneitees

Erkältungskrankheiten
Erkältungskrankheiten sind die häufigsten Erkrankungen überhaupt. Sie werden meistens durch unterschiedliche Viren hervorgerufen, die die oberen Atemwege befallen. Die Eintrittspforte sind die Nase und die Rachenschleimhaut. Von hier aus gelangen die Viren in die tieferen Atemwege, die Bronchien oder in die Nasennebenhöhlen. Da der Körper durch die Infektion geschwächt ist, kommt es häufig zu bakteriellen Sekundärinfektionen, die die Krankheitssymptome verstärken und den -verlauf in die Länge ziehen.

Die Symptome einer Erkältung sind vielfältig. Meist beginnt sie mit einem Schnupfen: Die Nasenschleimhäute schwellen an, produzieren vermehrt Sekrete und können sich unter Umständen auch entzünden. Als weitere Symptome kommen häufig Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Halsschmerzen, Heiserkeit oder auch Fieber dazu. Bei einem schlimmeren Krankheitsverlauf kann es zu einer Entzündung der Bronchien kommen. Solch eine Bronchitis geht in der Regel mit einer erhöhten Schleimproduktion in den Bronchien und starkem Husten einher.

Durch den Einsatz von Arzneitees können viele der Beschwerden gelindert werden. Bei einem schlimmeren Krankheitsverlauf mit einer bakteriellen Sekundärinfektion, die oftmals den Einsatz von Antibiotika erfordert, bietet der Arzneitee eine sinnvolle, unterstützende Therapie.
Nervosität und Schlafstörungen
Viele Menschen leiden unter Anspannung und Schlaf- störungen. Jeder Zweite kann entweder schlecht einschlafen, wacht nachts mehrmals auf oder ist morgens viel zu früh wach. Kurzzeitige Schlafstörungen sind in der Regel nicht bedenklich. Bei länger anhaltenden Beschwerden sinkt jedoch die Leistungsfähigkeit erheblich; die Betroffenen fühlen sich müde, abgeschlagen und sind oft gereizt. Im Straßenverkehr oder beim Bedienen von Maschinen kann dies zu einer ernsten Gefahr werden. Länger anhaltende Schlafstörungen sollten daher in jedem Fall behandelt werden. Es gibt eine Reihe von wirksamen Schlaf- und Beruhigungsmitteln, allerdings besitzen viele Medikamente neben einem hohen Risiko für Nebenwirkungen auch ein hohes Suchtpotenzial und sollten daher nicht über längere Zeiträume verwendet werden. Arzneitees, die beruhigende Wirkstoffe enthalten, bieten hier eine schonende Alternative. Sie können helfen, die Anspannung zu lösen und fördern so das Ein- und Durchschlafen. Dabei sind Nebenwirkungen sehr selten und sie weisen kein Suchtpotenzial auf.
Verdauungsstörungen
Verdauungsstörungen können unterschiedliche Ursachen haben. Oft ist ein zu fettes Essen oder akuter Stress der Grund für kurzzeitige Beschwerden. Regelmäßige Verdau- ungsstörungen liegen allerdings häufig in einer verminderten Magensaftsekretion, einer verminderten Gallenbildung oder einer Pankreasinsuffizienz begründet. Symptome wie Übelkeit, Blähungen oder auch krampfartige Beschwerden sind die Folge. Die akuten Symptome lassen sich in der Regel gut mit Arzneimitteln – auch mit Arzneitees – behandeln. Sinnvoll ist aber auch eine Therapie, die der Ursache der Verdauungsstörung entgegenwirkt. Ist die Ursache z. B. eine verminderte Bildung von Enzymen der Galle, kann der Gallenfluss durch die Einnahme bestimmter Arzneimittel angeregt werden. Besonders schonend ist die Therapie mit einem Arzneitee, der gallenflussanregende Inhaltsstoffe enthält.
Magenbeschwerden
Der Magen wird leicht durch übermäßige Belastungen wie fettreiche und/oder übermäßige Mahlzeiten, Alkohol, Zigar- etten und Stress gereizt. Die Folge ist eine erhöhte Säurebildung, wodurch die Magenschleimhaut gereizt wird und sich entzünden kann. Solche Magenbeschwerden gehen häufig mit Völlegefühl, Magendrücken, Aufstoßen, Sod- brennen und krampfartigen Schmerzen einher. Einige Menschen besitzen einen „nervösen Magen“; bei ihnen reagiert der Magen besonders sensibel. Treten solche Magenbeschwerden regelmäßig auf, kann dies sehr belastend für den Betroffenen sein. Arzneitees mit krampflösenden, entzündungshemmenden und entblähenden Wirkstoffen können hier eine spürbare Linderung schaffen. Die Magenschleimhaut wird durch den Tee auf schonende Weise beruhigt, so dass sich die Magenfunktion normalisieren kann.
Harnwegserkrankungen
Bakterien, die in die Harnwege gelangen, können entzündliche Erkrankungen der Harnblase hervorrufen. Frauen erkranken besonders häufig an einer Blasenent- zündung, da sie im Gegensatz zu Männern eine sehr kurze Harnröhre besitzen und Bakterien so leichter in die Harnblase gelangen. Die typischen Symptome sind häufiger Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen und Blasen- krämpfe. Hier ist es wichtig, die Harnwege gut durch- zuspülen, damit Bakterien aus dem Körper geschwemmt und die Entzündungsgefahr vermindert wird. Mit Hilfe eines Blasen- und Nieren-Arzneitees kann die Harnausscheidung angeregt und die Entzündung gehemmt werden. Bereits bei ersten Anzeichen einer Blasenentzündung sollte daher ein Arzneitee verwendet werden, um einer Verschlimmerung vorzubeugen. Aber auch wenn die Infektion fortgeschritten ist und Antibiotika eingenommen werden müssen, unterstützt ein Arzneitee die Heilung vor allem durch seine harntreibende Wirkung.

Ausgewählte Arzneitees und ihre Wirkung

Viele Pflanzen besitzen Inhaltsstoffe mit pharmakologischer Wirkung; die Zahl der Pflanzen, aus denen Drogen zur Teebereitung hergestellt werden, ist dement- sprechend groß. Im folgenden sollen wichtige Heilpflanzen bzw. pflanzliche Drogen vorgestellt werden, die in Arzneitees und insbesondere in Bezug auf die vorgestellten Hauptanwendungsgebiete häufig Verwendung finden.

Die Wirkung einer pflanzlichen Droge ergibt sich aus den Inhaltstoffen der verwendeten Pflanzenteile. Sie ist normalerweise nicht durch einzelne Inhaltsstoffe bedingt, sondern durch eine Kombination mehrerer Wirkstoffe sowie durch Begleitsubstanzen, die z. B. die Resorption der eigentlichen Wirkstoffe beeinflussen. Damit spielt die einzigartige Komposition der Inhaltsstoffe meist eine wesentliche Bedeutung für die therapeutische Wirksamkeit einer pflanzlichen Droge. Die exakte Wirkungsweise der Inhaltsstoffe auf zellulärer Ebene ist jedoch häufig noch nicht bekannt.

In der nachfolgenden Darstellung der Heilpflanzen bzw. der daraus hergestellten Drogen sind jeweils die Inhaltsstoffe aufgeführt, die hauptsächlich für die Wirkung der Droge verantwortlich sind.

Häufig für Arzneitees verwendete Drogen und ihre Wirkung

  • Baldrian (Valeriana officinales)
Valeriana officinales ist ein mehrjähriges Kraut aus der Familie der Valerianaceae (Baldriangewächse). Es kommt vor allem in Westeuropa und den gemäßigten Zonen Asiens vor. In pflanzlichen Arzneimitteln enthaltener Baldrian stammt in der Regel aus Kulturen.

Baldrian hat eine beruhigende, ausgleichende Wirkung und wird bei Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen angewendet. Baldrian wird seit über 200 Jahren als Beruhigungsmittel eingesetzt. Verwendet wird die Baldrianwurzel. Als wirksame Inhaltsstoffe wurden lipophile Substanzen (u. a. Sesquiterpensäuren vom Valerensäuretyp, Borneol), aber auch hydrophile Stoffgruppen (u. a. Lignane) identifiziert. Außerdem sind Iridoidester (Valtrat, Isovaltrat, Didrovaltrat und Acevaltrat) enthalten, die in ihrer Gesamtheit als Valepotriate bezeichnet werden. Sie besitzen eine ausgleichende, angst- und spannungslösende Wirkung.

Der Wirkungsmeachnismus ist nicht vollständig geklärt. Es wird diskutiert, dass die nachgewiesene beruhigende und schlaffördernde Wirkung des Baldrians durch die Bindung an den GABA-Rezeptor-Komplex hervorgerufen wird. Die Lignan-Anteile sollen für die sedative Wirkung verantwortlich sein. Baldrianwurzelpräparate gelten daher als Alternative zu Benzodiazepinen für die Langzeitbehandlung von Unruhezuständen und Schlafstörungen.
Baldrianwurzel (PhEur 6*)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Valerianae radix, Baldrianwurzel
Wirksame
Inhaltsstoffe:
ätherisches Öl mit Monoterpenen
(z.B. Bornylacetat) und Sesquiterpenen
(z. B. Valerianol), Valepotriate (Valerensäurederivate), Lignane wie z. B. 8-Hydroxypinoresinol
Wirkung: beruhigend, die Schlafbereitschaft fördernd (sedativ)
Anwendungsgebiete: Unruhezustände, nervös bedingte Einschlafstörungen
*PhEur 6 = Europäisches Arzneibuch (European Pharmacopeia), 6. Ausgabe

  • Birke (Betula pendula, Betula pubescens)
Birken können bis zu 30 m hoch werden und sind in Europa weit verbreitet. Die Droge (Birkenblätter) besteht aus den getrockneten Blättern der Hängebirke (Betula pendula) bzw. Moorbirke (Betula pubescens). Birke hat aufgrund seiner Flavonoide (insbesondere Quercetin) und Kaffeesäure eine harntreibende Wirkung und wird vor allem bei entzündlichen Erkrankungen der Harnwege und bei Nierengrieß eingesetzt. Außerdem wirkt Birke lindernd auf rheumatische Beschwerden. Weitere Inhaltsstoffe sind Polycarbonsäuren (z. B. Chlorogensäure), Asorbinsäure, Gerbstoffe (Leuco- anthocyanide) und ätherische Öle.
Birkenblätter (PhEur 6)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Betulae folium, Birkenblätter
Wirksame
Inhaltsstoffe:
Spuren eines ätherischen Öls, Flavonoide, Saponine
Wirkung: diuretisch (harntreibend)
Anwendungsgebiete: bakterielle und entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege und Nierengrieß; unterstützende Behandlung rheumatischer Beschwerden

  • Boldo (Peumus boldus)
Boldo ist ein etwa 6 m hoch werdender immergrüner Strauch oder kleiner Baum, der ursprünglich aus Chile stammt, aber verwildert auch im Mittelmeerraum vorkommt.

Krampfartige Magen-Darm-Beschwerden können mit Boldoblättern behandelt werden. Sie enthalten verdauungsfördernde Alkaloide (v. a. Boldin), Flavonoide und äther- isches Öl (1,8-Cineol). Der Hauptinhaltsstoff, das Alkaloid Boldin, ist ein potenter Radikalfänger, worauf seine zytoprotektiven, hepatoprotektiven und antioxidativen Wirkungen beruhen.
Boldoblätter (PhEur 6)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Boldo folium, Boldoblätter
Wirksame
Inhaltsstoffe:
Alkaloide, Falvonoide
Wirkung: spasmolytisch (krampflösend), choleretisch (gallenflussfördernd), steigert die Magensaftsekretion, leberschützend
Anwendungsgebiete: leichte, krampfartige Magen-Darm-Störungen, Verdauungsbeschwerden

  • Eibisch (Althaea officinalis)
Eibisch ist eine mehrjährige, 60-150 cm hoch werdende, krautige Pflanze aus der Familie der Malvaceae (Malvengewächse). Sie kommt in Europa v. a. an salzigen Standorten (Küstennähe) vor.

Die Eibischwurzel enthält reizlindernde Schleimstoffe, insbesondere Rhamnoga- lacturonane, und wird bei Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum sowie bei Entzündungen der Magenschleimhaut eingesetzt. Die Schleimstoffe bilden auf den entzündeten und daher reizempfindlichen Schleimhäuten eine schützende Schicht, die die Reize von der Schleimhaut fernhält und daher die Auslösung von Husten über die Mechanorezeptoren verhindert.
Eibischwurzel (PhEur 6)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Althaeae radix, Eibischwurzel
Wirksame
Inhaltsstoffe:
Schleimstoffe
Wirkung: reizlindernd
Anwendungsgebiete: Schleimhautreizungen im Mund- und Rachenraum

  • Goldrute (Solidago virgaurea)
Solidago-Arten sind ausdauernde, krautige Pflanzen aus der Familie der Asteraceae (Korbblütler) mit einer Wuchshöhe von bis zu 100 cm. Außer in tropischen Gebieten kommen sie fast weltweit vor. Goldrutenkraut, bestehend aus den während der Blüte gesammelten und schonend getrockneten oberirdischen Teilen der echten Goldrute, wird bei Infektionen der Harnwege eingesetzt. Es löst Krämpfe, wirkt harntreibend und hilft, Entzündungen zu bekämpfen.
Goldrutenkraut (PhEur 6)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Solidaginis virgaureae herba, echtes Goldrutenkraut
Wirksame
Inhaltsstoffe:
Flavonoide (insbesondere Quercetin und Kämpferol), Saponine (vom Olean-12-en-Typ), ätherisches Öl, Bitterstoffe und Polycarbonsäuren (z. B. Kaffeesäure, Chlorogensäure)
Wirkung: diuretisch (harntreibend), schwach spasmolytisch (krampflösend), antiphlogistisch (entzündungshemmend)
Anwendungsgebiete: bakterielle und entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege, Harnsteine und Nierengrieß

  • Mariendistel (Silybum marianum)
Die Mariendistel ist ein bis zu 250 cm großes, distelartiges Gewächs aus der Familie der Asteraceae (Korbblütler), die vor allem in Südeuropa vorkommt. Sie ist an den großen, grün-weiß marmorierten Blättern und den purpurroten Röhrenblüten zu erkennen. Die Früchte der Mariendistel enthalten Flavanolderivate wie Silibin (Sylmarin), Silydianin und Silychristin, die bei Vergiftungen der Leber helfen. Sie verhindern das Eindringen von Giften in die Hepatocyten (Leberzellen) und stimulieren außerdem deren Regeneration. Weiterhin werden Mariendistelfrüchte bei leichten Magen- und Darmbeschwerden und zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt.
Mariendistelfrüchte (PhEur 6)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Cardui mariae fructus, Mariendistelfrüchte
Wirksame
Inhaltsstoffe:
Flavonoide vom Flavonol-Typ (Silymarin), fettes Öl (z. B. Linolsäure), Phytosterole (z. B. Sitosterol)
Wirkung: hepatoprotektiv (leberschützend), fördert die Regenerationsfähigkeit der Leber
Anwendungsgebiete: dyspeptische Beschwerden (Verdauungsbeschwerden), toxische Leberschäden, unterstützende Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose

  • Melisse (Melissa officinalis)
Die Melisse ist eine ausdauernde, krautige Pflanze aus der Familie der Lamiaceae (Lippenblütler), die Wuchshöhen von 20 - 90 cm erreicht. Die aus den getrockneten Laubblättern der Melisse bestehende Droge wirkt beruhigend und entspannend und wird vor allem bei nervös bedingten Schlafstörungen eingesetzt. Außerdem vermindert sie Blähungen und wird daher auch bei Magen-Darm-Beschwerden verwendet.
Melissenblätter (PhEur 6)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Melissae folium, Melissenblätter
Wirksame
Inhaltsstoffe:
ätherisches Öl (Citral a und Citral b sowie Citronellal) und weitere Mono- und Sesquiterpene, Gerbstoffe, Triterpensäuren, Bitterstoffe, Flavonoide
Wirkung: beruhigend, karminativ (Blähungen vermindernd), spasmolytisch (krampflösend)
Anwendungsgebiete: nervös bedingte Einschlafstörungen, funktionelle Magen-Darm-Beschwerden

  • Pfefferminze (Mentha piperita)
Die Pfefferminze ist eine weitverbreitete, mehrjährige, krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 50 – 100 cm. Sie gehört zu der Familie der Lamiaceae (Lippen- blütler). Pfefferminze wirkt krampflösend und wird bei krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich sowie der Gallenblase und -wege eingesetzt. Verwendet werden die Blätter. Sie enthalten ätherisches Öl mit einem hohen Mentholgehalt, Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe sowie Phenolcarbonsäuren
Pfefferminzblätter (PhEur 6)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Menthae piperitae folium, Pfefferminzblätter
Wirksame
Inhaltsstoffe:
ätherisches Öl mit Menthol, Menthol und 1,8-Cineol, Gerbstoffe (vom Labiaten-Typ), Flavonoide (Eriocitrin, Luteolin)
Wirkung: direkte spasmolytische (krampflösende) Wirkung an der glatten Muskulatur des Verdauungstraktes, choleretisch (gallenflussfördernd) und karminativ (Blähungen vermindernd)
Anwendungsgebiete: Krampfartige Beschwerden des Magen-Darm-Bereichs sowie der Gallenblase und -wege

  • Primel Primula veris, Primula elatior, Schlüsselblume
Primeln, auch Schlüsselblumen genannt, sind ausdauernde, krautige Pflanzen aus der Familie der Primulaceae (Primelgewächse). Die länglichen Blätter formen eine Rosette um die meist in Dolden (Blütenständen) angeordneten Blüten. Die Wurzel der Primel wird bei Schleimhautentzündungen der Atemwege eingesetzt. Ein Tee mit Primelwurzel wirkt gut als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchitis. Er hilft beim Abhusten von Schleim aus den Bronchien und lindert damit die Beschwerden. Verwendet werden die Wurzeln von Primula veris oder Primula elatior.
Primelwurzel (Schlüsselblumenwurzel) (PhEur 6)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Primulae radix, Primelwurzel (Schlüsselblumenwurzel)
Wirksame
Inhaltsstoffe:
Saponine (u. a. Primulasaponin, Priverosaponin)
Wirkung: sekretolytisch (schleimlösend), expektorierend (den Auswurf von Bronchialsekret fördernd)
Anwendungsgebiete: Schleimhautentzündungen der Luftwege

  • Süßholz (Glycyrrhiza glabra)
Süßholz ist eine ausdauernde, krautige Pflanze aus der Familie der Fabaceae (Hülsenfrüchtler), die im Mittelmeerraum und in Westasien beheimatet ist. Süßholz wird vor allem bei Atemwegsleiden eingesetzt, aber auch zur Behandlung von Magenulcera. Verwendet wird die Wurzel. Charakteristisch ist die Glycyrrhizinsäure (Triterpensaponin), die ca. 170-mal stärker süß schmeckt als Rohrzucker. Die Wurzel enthält Wirkstoffe, die schleimlösend sind und das Abhusten von Bronchialsekret fördern. Als Tee angewendet hilft Süßholzwurzel sehr gut, den zähen und festsitzenden Bronchialschleim zu lösen. Hinzu kommt eine krampflösende Wirkung auf die gesamte Muskulatur des Körpers, was auch bei der Therapie von Atemwegbeschwerden vorteilhaft ist. Weiterhin wurde in klinischen Studien gezeigt, dass die Droge die Abheilung von Magenulcera beschleunigt.
Süßholzwurzel (PhEur 6)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Liquiritiae radix, Süßholzwurzel
Wirksame
Inhaltsstoffe:
Glycyrrhizinsäure, Flavonoide, Phytosterole, Cumarine
Wirkung: sekretolytisch (schleimlösend), expektorierend (den Auswurf von Bronchialsekret fördernd), spasmolytisch (krampflösend), Beschleunigung der Abheilung von Magenulcera
Anwendungsgebiete: Schleimhautentzündungen der oberen Luftwege und bei Magenulcera

  • Thymian (Thymus vulgaris)
Thymian ist eine ausdauernde, strauchartige Pflanze, die zur Familie der Lamiaceae (Lippenblütler) gehört. Der aus dem Mittelmeerraum stammende echte Thymian erreicht Wuchshöhen von 10 - 40 cm. Thymian wird bei entzündlichen Krankheiten der oberen Atemwege eingesetzt. Es wirkt antibakteriell und fördert das Abhusten von Bronchialsekret. Verwendet werden die abgestreiften Laubblätter und die Blüten.
Thymiankraut (PhEur 6)
Bezeichnung
des Arzneimittels:
Thymi herba, Thymiankraut
Wirksame
Inhaltsstoffe:
ätherisches Öl mit Thymol, Carvacrol, Pinen, Borneol, Polycarbonsäuren, Gerbstoffe
Wirkung: bronchospasmolytisch (krampflösend), expektorierend
(den Auswurf von Bronchialsekret fördernd), antibaktieriell
Anwendungsgebiete: Schleimhautentzündungen der oberen Luftwege, Bronchitis und Keuchhusten

Arzneitee-Mischungen

Aus den vorgestellten Arzneipflanzen können jeweils Einzeltees hergestellt werden, die für die angegebenen Anwendungsgebiete ein wirksames Heilmittel darstellen. Häufig finden sie jedoch in Mischungen Verwendung, denn durch die Kombination mehrerer pflanzlicher Drogen lässt sich die Wirkung in Bezug auf eine bestimmte Indikation häufig optimieren. Sinnvolle Kombinationen ergeben sich z. B. aus den positiven BfArM- und HMPC-Monographien.

Die Anzahl an zugelassenen Arzneitees, die eine Mischung verschiedener Drogen enthalten, ist groß. Hier sollen einige ausgewählte Beispiele für häufig verwendete Mischungen aus den zuvor beschriebenen Arzneipflanzen vorgestellt werden.
Bronchialtee
Bereits bei einer beginnenden Erkältung und leichtem Husten empfiehlt sich die Anwendung eines Bronchialtees mit schleimlösenden, entzündungshemmenden und krampflö- senden Drogen. Geeignet ist z. B. eine Mischung aus Eibisch, Thymian, Primel und Süßholz. Die Kombination dieser Drogen sorgt für eine rasche Linderung der Symptome und kann helfen, einen schweren Krankheitsverlauf abzuwenden. Ist bereits eine Bronchitis ausgebrochen, ist die Anwendung solch eines Bronchialtees ebenfalls sinnvoll, auch wenn der Arzt bereits andere schleimlösende Arzneimittel oder gar ein Antibiotikum verordnet hat. Denn der Tee trägt zusätzlich zur Linderung der Beschwerden bei und sorgt zudem für die bei Erkältungskrankheiten so wichtige Flüssigkeitszufuhr.
Beruhigungstee
Hektik und Stress im Alltag führen schnell zu einem Spannungszustand, bei dem insbesondere das Einschlafen erschwert ist. Arzneitees mit beruhigenden Wirkstoffen können helfen, die Anspannung zu lösen und so die Schlafbereitschaft zu fördern. Beruhigungstees bieten eine sanfte Alternative zu chemischen Beruhigungsmitteln, die häufig ein hohes Nebenwirkungs- und Suchtpotenzial besitzen. Sehr gut geeignet ist ein Beruhigungstee mit Melisse und Baldrian. Beide Drogen haben eine beruhigende, entspannende Wirkung. In kombinierter Form helfen sie besonders gut bei nervös bedingten Einschlafstörungen.
Verdauungstee
Wenn die Verdauung schwerfällt, liegt dies häufig in einer geringen Menge an Gallenflüssigkeit begründet. Verdauungs- störungen gehen oft mit Symptomen wie Übelkeit, Blähungen oder auch krampfartigen Beschwerden einher. Hier kann ein Verdauungstee aus Pfefferminze, Boldoblättern und Mariendistelfrüchten helfen. Die in solch einer Teemischung enthaltenen Wirkstoffe regen den Gallenfluss an, lindern krampfartige Beschwerden und wirken Blähungen entgegen.
Magentee
Ist der Magen z. B. durch fettige Speisen, Alkohol oder durch Stress gereizt, kommt es häufig zu Symptomen wie Sodbrennen, Übersäuerung, Blähungen, Magendrücken und krampfartigen Schmerzen. Arzneitees können helfen, die Störungen zu neutralisieren und die Magenfunktion zu normalisieren. Arzneitees mit Pfefferminze und Süßholzwurzel eignen sich gut zur Linderung von Magenbeschwerden, denn die Kombination dieser Drogen vermindert Blähungen, lindert krampfartige Beschwerden und wirkt beruhigend auf die Magenschleimhaut.
Blasen- und Nierentee
Harnwegsinfekte werden durch Bakterien hervorgerufen, die von außen in die Harnröhre und in die Blase gelangen. Um die Beschwerden zu lindern, sollten Arzneitees eingesetzt werden, die entzündungshemmend wirken und krampfartige Beschwerden lindern. Zudem ist eine Förderung der Harnausscheidung wichtig, damit die Bakterien aus dem Körper geschwemmt werden. Bei Harnweginfektionen eignet sich ein Blasen- und Nierentee, der Goldrutenkraut und Birkenblätter enthält. Beide Drogen haben eine harntreibende Wirkung; Goldrutenkraut wirkt zudem krampflösend und entzündungshemmend. In kombinierter Form tragen sie zuverlässig zur Linderung der Beschwerden bei.




MODUL 3:

Arzneitees in der Apotheke

Mit der Empfehlung eines Arzneitees kann das Apothekenpersonal vielen seiner Kunden zu einer wirksamen und dabei schonenden Therapie verhelfen. Mit der fachkundigen Beratung fördert das Apothekenteam dabei auch das Vertrauen und die Zufriedenheit der Kunden. Jedoch lässt sich nicht jedes Leiden mit einem Arzneitee behandeln; die Empfehlung eines Arzneitees ist demnach nur bei bestimmten Kunden sinnvoll.

Wann sollte einem Kunden ein Arzneitee empfohlen werden?

Ob die Anwendung eines Arzneitees – als alleiniges oder als unterstützendes Arzneimittel – im Einzelfall sinnvoll ist, richtet sich nach der Art und Schwere der vorliegenden Erkrankung. Nun sind die Beschwerden eines Kunden dem Apothekenpersonal jedoch nicht immer vollständig bekannt. Zur gezielten Empfehlung eines Arzneitees sind daher Anhaltspunkte, die sich aus dem Gespräch mit dem Kunden oder aufgrund anderer verordneter Arzneimittel ergeben, zu beachten.

In verschiedenen Situationen ist die Empfehlung eines bestimmten Arzneitees sinnvoll:
  • Der Kunde fragt gezielt nach einem Tee mit einer bestimmten Wirkung
Fragt der Kunde ganz gezielt nach einem Tee zur Behandlung bestimmter Beschwerden, liegt es in der Kompetenz des Apothekenpersonals, den geeigneten Tee auszuwählen. Arzneitees sind immer für bestimmte Indikationen zugelassen und können daher entsprechend gezielt angeboten werden. Möchte der Kunde z. B. einen Tee zur Linderung der Symptome von Husten oder einer Bronchitis, ist ein entsprechender Bronchialtee zu empfehlen.
  • Der Kunde möchte ein Mittel gegen Beschwerden haben, die sich mit Arzneitees behandeln lassen
Häufig fragen Kunden einfach nach „irgendeinem Mittel“ zur Behandlung Ihrer Beschwerden. Handelt es sich um eine Erkrankung, die sich gut mit einem Arzneitee behandeln lässt, sollte dem Kunden ein entsprechendes Produkt angeboten werden.

Dabei ist es wichtig, den Kunden nach seinen genauen Symptomen zu befragen. Nennt der Kunde z. B. Bauchschmerzen als Beschwerden, kann es sich sowohl um Magen- als auch um Darmprobleme handeln. Durch die fachkundige Beratung des Apothekenpersonals erhält der Kunde einen gegen seine Beschwerden gut wirksamen Arzneitee. Je nach Schwere der Symptome ist der Kunde allerdings auch auf weitere Therapiemöglichkeiten der Selbstmedikation hinzuweisen. Bei Alarmsymptomen wie z. B. blutigem Stuhl ist unbedingt ein Besuch eines Arztes zu empfehlen.
  • Der Kunde erhält andere Arzneimittel, die auf ein Anwendungsgebiet für Arzneitees schließen lassen
Auch wenn der Kunde bereits andere Arzneimittel zur Behandlung seiner Beschwerden erhält, kann eine zusätzliche Anwendung eines Arzneitees nützlich sein. Mit einem Arzneitee lässt sich eine vom Arzt verordnete Therapie oft unterstützen; der Krankheitsverlauf wird dann durch den Arzneitee zusätzlich positiv beeinflusst. Bei Verordnungen bestimmter Medikamente sollte daher ein für die jeweilige Indikation geeigneter Arzneitee angeboten werden.
Beispiele:
Der Patient erhält schleimlösende Medikamente, die zur Behandlung einer Bronchitis indiziert sind.
  • Empfehlen Sie einen Bronchialtee, der schleimlösend wirkt und das Aushusten von Bronchialsekreten fördert.

Der Patient erhält ein spezifisches Antibiotikum zur Behandlung eines Harnweginfekts.
  • Empfehlen Sie einen Blasen- und Nierentee mit harntreibender Wirkung, damit Bakterien aus dem Körper gespült werden.

Der Patient erhält ein Antacidum oder einen Protonenpumpenhemmer gegen Magenbeschwerden.
  • Empfehlen Sie einen Magentee, der die Magenschleimhaut beruhigt und so hilft, die Magenfunktion zu normalisieren.

Der Patient erhält Gallentherapeutika.
  • Empfehlen Sie einen Verdauungstee, der den Gallenfluss anregt, krampfartige Beschwerden lindert und die Verdauung fördert.

Der Patient erhält Schlaf- und Beruhigungsmittel.
  • Empfehlen Sie einen Beruhigungstee, der die Entspannung und Schlafbe- reitschaft zusätzlich fördert.

Warum sind Arzneitees zu empfehlen?

Es gibt viele Argumente, die für die Verwendung von Arzneitees sprechen. Die wichtigsten sind:
  • Die Verwendung von Arzneitees ist eine schonende Therapie, denn Arzneitees sind in der Regel sehr gut verträglich.
  • Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln treten selten auf.
  • Die Anwendung von Arzneipflanzen zur Herstellung von Teeaufgüssen hat eine lange Tradition; in der Therapie mit Arzneitees kann daher auf langjährige positive Erfahrungen zurückgegriffen werden.
  • Im Gegensatz zu Tees, die als Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden, sind die Rezepturen der Arzneitee-Mischungen vom BfArM als Arzneimittel zugelassen. Die Arzneitees enthalten einen ausreichend hohen Gehalt an pflanzlichen Wirkstoffen, um die gewünschte Wirkung zuverlässig zu erreichen.
  • Es ist immer eine hohe Qualität gewährleistet, da Arzneitees den strengen Anforderungen des Europäischen Arzneibuchs entsprechen müssen.
Damit bieten Arzneitees eine sanfte und verträgliche Alternative oder Ergänzung zur Therapie mit synthetisch hergestellten Arzneimitteln.

Weitere Beratungsthemen

Neben der Empfehlung eines geeigneten Arzneitees sollte auch eine umfassende Beratung bezüglich der richtigen Anwendung erfolgen.
  • Um eine gute Wirkung zu entfalten, ist die richtige Zubereitung des Tees von großer Bedeutung. Bei Teebeuteln ist insbesondere die Ziehzeit zu beachten, bei löslichen Pulvern die Menge des pro Tasse zu verwendenden Pulvers. Nur in der richtigen Dosierung erzielt der Tee seine gute Wirkung. Eine zu hohe Dosierung ist Verschwendung und führt oft nicht zu höherer Wirksamkeit.
  • Weiterhin ist der Kunde auch über die Dauer der Anwendung aufzuklären. Arzneitees sind Arzneimittel, die gezielt, in einer bestimmten Dosierung und zeitlich begrenzt zur Behandlung einer Erkrankung eingesetzt werden sollten. Sie sollten nicht in einer höheren Dosis oder über längere Zeiträume konsum- iert werden.
  • Wichtig ist bei der Verwendung von Arzneitees auch die Beachtung des Verfalldatums. Auch bei fachgerechter Lagerung (Schutz vor Feuchtigkeit und Licht) verlieren Arzneitees mit der Zeit ihre Wirksamkeit, da die Wirkstoffe nach und nach entweichen oder zerfallen. Daher sollte der Kunde über die richtige Lagerung und den Verlust der Wirkung nach Überschreiten des Verfalldatums informiert werden.
  • Wie bei jedem Arzneimittel ist der Kunde über Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln zu unterrichten. Arzneitees sind in der Regel gut verträglich und rufen selten Nebenwirkungen hervor. Dennoch gibt es bei manchen Arzneitees Sicherheitshinweise, die beachtet werden müssen. Mögliche Gegenanzeigen und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln sind bei einigen Arzneitees zu bedenken.

Zusammenfassung

  • Arzneitees sind aus pflanzlichen Drogen hergestellte Einzeltees oder Teemischungen, die zur Zubereitung von Aufgüssen, Abkochungen oder Kaltwasserauszügen dienen.
  • Sie sind zugelassene Arzneimittel, die zur Linderung und Heilung einer bestimmten Krankheit beitragen können. Arzneitees können als alleiniges Arzneimittel oder ergänzend zu einer vom Arzt verordneten Therapie eingesetzt werden.
  • Die Krankheitsbilder, bei denen Arzneitees zur Anwendung kommen, sind vielfältig. Häufige Anwendungsgebiete sind Erkältungskrankheiten, Schlaf- störungen, Verdauungsstörungen und Magenbeschwerden sowie Harnwegs- infekte. Dabei ist die Verwendung von Arzneitees eine schonende Therapie, denn Arzneitees sind in der Regel sehr gut verträglich.
  • Die Wirkung eines Arzneitees ergibt sich aus den Inhaltsstoffen der verwendeten Pflanzenteile. Sie ist normalerweise nicht durch einzelne Inhaltsstoffe bedingt, sondern durch eine Kombination mehrerer Wirkstoffe sowie deren Begleit- substanzen.
  • Um die gute Wirkung zu entfalten, ist vor allem die richtige Zubereitung des Tees ausschlaggebend.
  • Mit der fachkundigen Beratung hinsichtlich der Auswahl und richtigen Anwendung von Arzneitees kann das Apothekenpersonal dem Kunden zu einer gut verträglichen, seit Jahrzehnten bewährten Therapie verhelfen und damit die Zufriedenheit und das Vertrauen in die Apotheke fördern.

Quellen

Fintelmann, V., Menßen, H. G., Siegers, C.-P. Phytotherapie Manual, 2. Auflage (1993), Hippocrates Verlag GmbH, Stuttgart

Braun, H. Heilpflanzen-Lexikon für Ärzte und Apotheker, 4. Auflage (1981), Gustav Fischer Verlag

Europäisches Arzneibuch, 6. Ausgabe (2008), Deutscher Apotheker Verlag

Heilpflanzen-Lexikon, Frohne, 8. Auflage (2006), Wissenschaftliche Verlagsgesell- schaft Stuttgart

Pharmakognosie, Phytopharmazie. Hänsel, Sticher, 9. Auflage (2010), Springer Verlag

Phytopharmakologie. Dingermann, Löw. 1. Auflage (2003), Wissenschaftliche Verlags- gesellschaft Stuttgart

BGA/BfArM-Monographien:
-  Baldrianwurzel: Bundesanzeiger Heft-Nr. 90, 15.5.1985
-  Birkenblätter: Bundesanzeiger Heft-Nr. 50, 13.3.1986
-  Boldoblätter: Bundesanzeiger Heft-Nr. 76, 23.4.1987
-  Eibischwurzel: Bundesanzeiger Heft-Nr. 43, 2.3.1989
-  Goldrutenkraut: Bundesanzeiger Heft-Nr. 193, 15.10.1987
-  Mariendistelfrüchte: Bundesanzeiger Heft-Nr. 50, 13.3.1986
-  Melissenblätter, Bundesanzeiger Heft-Nr. 228, 5.12.1984
-  Pfefferminzblätter: Bundesanzeiger Heft-Nr. 223, 30.11.1985
-  Primelblüten: Bundesanzeiger Heft-Nr. 122, 6.7.1988
-  Süßholzwurzel: Bundesanzeiger Heft-Nr. 90, 15.5.1985
-  Thymiankraut: Bundesanzeiger Heft-Nr. 228, 5.12.1984












MODUL 1:

Tee als Arzneimittel






MODUL 2:

Therapie mit Arzneitees






MODUL 3:

Arzneitees in der Apotheke








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