1. Effectiveness of antipsychotic drugs in first-episode schizophrenia and schizophreniform disorder: an open randomised clinical trial
Kahn RS et al. Lancet 2008; 371 (9618): 1085-97

 
Wirksamkeit antipsychotischer Medikamente bei der ersten Episode einer Schizophrenie oder schizophreniformen Störung: eine offene, randomisierte klinische Studie 


Die bisherigen Vergleichsstudien zur Anwendung von Haloperidol vs. Antipsychotika der zweiten Generation in der Therapie der Schizophrenie liefern teils widersprüchliche Ergebnisse und haben einige methodische Mängel, die die Übertragbarkeit in den klinischen Alltag einschränken. In der großen, multizentrischen EUFEST-Studie lag der Schwerpunkt auf der Untersuchung der therapeutischen Alternativen bei der Erstmanifestation einer Schizophrenie. Haloperidol wurde realitätsnah in niedriger Dosierung gegen Amisulpirid, Olanzapin, Quetiapin und Ziprasidon über ein Jahr getestet. Obwohl die Rate der Therapieabbrüche unter Haloperidol höher war als unter den Vergleichssubstanzen, zeigte sich eine vergleichbare Symptomreduktion in allen Gruppen. Die Bedeutung der Studienergebnisse wird von den Autoren auch in Relation zu den bisherigen Erkenntnissen kritisch diskutiert.

 


2. Prevalence and Management of Treatment-Resistant Depression.
Nemeroff CB. J Clin Psychiatry 2007; 68 (8): 17-25

Prävalenz und Management der Therapie-resistenten Depression



Der Autor fasst in diesem Übersichtsartikel die aktuelle Datenlage zur Prävalenz und Behandlung Therapie-resistenter Depressionen zusammen. Obwohl das Thema eine hohe klinische Relevanz hat, bestehen Mängel hinsichtlich der Quantität und Qualität der vorhandenen Studien. Nemeroff beleuchtet die Schwierigkeiten, die bereits bei der Definition und Klassifikation einer Therapieresistenz beginnen, und extrahiert die wesentlichen Ergebnisse aus Therapiestudien mit breitgefächerten Schwerpunkten. Medikamentöse Strategien mit den gebräuchlichsten Medikamenten, wie z.B. Mono- vs. Kombinationstherapien, Switching und Augmentation werden ebenso evaluiert wie nicht-pharmakologische Behandlungsoptionen (Elektrokrampftherapie, Vagusnerv-Stimulation, repetitive transkranielle Magnetstimulation u.a.).  Die Kenntnis dieser sorgfältig recherchierten und vorsichtig interpretierten Daten bietet die Grundlage für eine individuelle und optimistische Therapie von Patienten mit Depressionen und mangelndem Ansprechen auf einen ersten Therapieversuch.

 


3. Evaluation of a brief aerobic exercise intervention for high anxiety sensitivity
Broman-Fulks JJ, Storey KM. Anxiety Stress Coping 2008; 21 (2): 117-28

 

Evaluation einer kurzen Intervention mit aeroben Übungen bei hoher Angstsensitivität

 

Es ist bekannt, dass eine besonders sensible Wahrnehmung von Angstsymptomen oder die Befürchtung, dass Angst-assoziierte körperliche Symptome negative Auswirkungen haben könnten, eine entscheidende Rolle in der Ätiologie und Aufrechterhaltung verschiedener Angststörungen spielen. In der vorgestellten Studie wird der Einfluss eines einfachen 20-minütigen aeroben Trainingsprogramms auf die Symptomatik bei Personen mit erhöhter Angstsensitivität überpüft. Durch ein optimiertes Design werden methodische Mängel vorangehender Studien vermieden und deren viel versprechende Ergebnisse bestätigt. Die Studie evaluiert zusätzlich zur Symptomreduktion insgesamt die Auswirkungen des Trainings auf spezifische Symptomkomplexe der Angstreaktion, z.B. kardiovaskuläre oder respiratorische Symptome. Beeindruckend ist vor allem das Ergebnis, dass bereits eine einzelne von 6 Übungseinheiten deutlich positive Ergebnisse hervorrufen kann. Eine weitere Erforschung dieses Ansatzes erscheint insbesondere unter den heutigen ökonomischen Bedingungen dringend indiziert.

 


4. Exposure to mobile phone electromagnetic fields and subjective symptoms: a double-blind study
Cinel C et al.; Psychsom Med 2008; 70 (3): 345-8


Elektromagnetische Strahlenexposition durch Mobiltelefone und subjektive Symptome: eine doppelblinde Studie


Der gesundheitliche Einfluss elektromagnetischer Strahlung von Mobiltelefonen ist ein viel diskutiertes Thema sowohl in der Fachpresse als auch unter Laien. In einer doppelblinden Studie mit fast 500 Probanden wurde die subjektive Wahrnehmung von fünf Symptomen (Kopfschmerzen, Schwindel, Schwäche/Erschöpfung,  Hautsensationen wie Juckreiz/Kribbeln und Wärmegefühl der Haut) evaluiert. In drei Studienarmen erhielten die Probanden während einer 40-minütigen GSM (Global System for Mobile Communication)- oder Sham-Exposition unterschiedliche Aufgabenstellungen und beurteilten die Ausprägung der genannten Symptome sowohl vor als auch nach der Exposition. Lediglich in einer Gruppe ließ sich ein Zusammenhang zwischen dem Symptom Schwindel und elektromagnetischer Strahlenexposition herstellen, nach Ansicht der Autoren ist ein statistischer Typ-1-Fehler nicht ausgeschlossen. Die aktuelle Studie bietet eine solide Grundlage für weitere Forschung auf diesem Gebiet.


5. Seizure prediction
Sackellares JC; Epilepsy Curr 2008; 8 (3): 55-9

Vorhersagbarkeit von Krampfanfällen


Die Erforschung von präiktalen EEG-Veränderungen schreitet parallel mit der kontinuierlichen Erweiterung unserer computertechnischen Möglichkeiten rapide voran. Eine Vorhersagbarkeit von Krampfanfällen durch quantifizierbare Algorithmen ist von klinischer Bedeutung, da sich hieraus Ansatzpunkte für neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten ergeben. Der Artikel bietet einen Überblick über die Entwicklung und den aktuellen Stand der Analytik der präiktalen EEG-Signale. Die aktuelle kontroverse Diskussion bezüglich Methodik von Untersuchungen und Interpretation von Ergebnissen wird beleuchtet. Darüber hinaus eröffnet diese Übersicht einen  Ausblick in zukünftige Forschungsvorhaben zum besseren Verständnis des Übergangs vom interiktalen Zustand zum Krampfanfall.

 


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