1. Use of the antacid hydrotalcite to treat gastroduodenal lesions induced by non-steroidal anti-inflammatory drugs: a multicentre, double-blind, placebo-controlled study
Dollinger HC, Liszkay M, Eur J Gastroenterol Hepatol 5 (Suppl 3): S133-137, 1993
Einsatz des Antazidums Hydrotalcit zur Behandlung von NSAR-induzierten gastroduodenalen Läsionen: eine multizentrische, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie
Hintergrund und Ziele
Patienten, die mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) behandelt werden, leiden teilweise unter gastrointestinalen Nebenwirkungen und können unter Umständen Mukosaläsionen in Form von Blutungen, Erosionen oder Ulzerationen im Magen oder Duodenum aufweisen. In dieser Studie wurde die Wirksamkeit von Hydrotalcit bei der Behandlung von NSAR-induzierten Mukosaläsionen und abdominellen Beschwerden bewertet. Darüber hinaus wurde der Einfluss verschiedener NSAR-Typen auf den Schweregrad und die Lokalisation der Läsionen untersucht und der Zusammenhang zwischen der Wirksamkeit von Hydrotalcit und dem Konsum von Kaffee, Alkohol und Tabak bewertet.
Methodik
In die Studie wurden 170 Patienten mit rheumatoider Arthritis oder einer anderen entzündlichen Gelenkserkrankung eingeschlossen. Die Patienten waren vor Beginn der Studie über mindestens 4 Wochen mit Diclofenac, Piroxicam oder einem anderen NSAR-Präparat behandelt worden. Als weitere Einschlusskriterien galten das Auftreten von NSAR-induzierten abdominellen Beschwerden sowie das Vorhandensein endoskopisch nachweisbarer gastroduodenaler Mukosaläsionen vom Grad 2 oder 3 (Skala von 0-4). Die Patienten wurden per Zufallsprinzip entweder einer viermal täglichen Behandlung mit 2 Kautabletten Hydrotalcit (2 x 500 mg) oder einer Behandlung mit Placebo zugewiesen. Die NSAR-Therapie wurde in beiden Gruppen unverändert fortgeführt. Zu Beginn der Studie sowie nach 3 Wochen fand jeweils eine endoskopische Untersuchung statt. Die Behandlung galt dann als erfolgreich, wenn ein Rückgang der Läsionen auf einen Schweregrad von 0 oder 1 zu verzeichnen war. Bei Patienten, die nach 3-wöchiger Behandlung immer noch Mukosaläsionen vom Grad 2 oder 3 aufwiesen, wurde die Therapie über weitere 3 Wochen fortgeführt. Im Anschluss daran erfolgte eine erneute Endoskopie. Die Intensität der abdominellen Beschwerden wurde von allen Studienteilnehmern in einem Tagebuch bewertet.
Ergebnisse
Bei der endoskopischen Untersuchung zeigte Hydrotalcit im Vergleich zu Placebo eine signifikant bessere Wirksamkeit: Nach 6-wöchiger Behandlung war in der Hydrotalcit-Gruppe bei 86% der Patienten, in der Placebo-Gruppe dagegen nur bei 66,7% der Patienten eine Abheilung der Mukosaläsionen im Magen zu verzeichnen (p<0,001).

Die am Tage und in der Nacht auftretenden abdominellen Beschwerden gingen unter Anwendung von Hydrotalcit deutlich zurück. Die meisten Mukosaläsionen traten im Bereich des Antrums auf; ein Unterschied hinsichtlich der Ulzerogenität der verschiedenen NSAR-Typen konnte nicht nachgewiesen werden. Bei normalem Kaffeekonsum war eine Verzögerung des Heilungsprozesses der gastralen, nicht jedoch der duodenalen Mukosaläsionen zu verzeichnen. Dagegen konnte zwischen dem Konsum von Alkohol und Tabak und der Wirksamkeit der Studienmedikation kein Zusammenhang beobachtet werden. Ein moderater Alkoholgenuss war sogar mit verbesserten Heilungsraten verbunden.

Zusammenfassung
Die Studienergebnisse zeigen, dass Hydrotalcit die Abheilung von NSAR-induzierten Mukosaläsionen fördert und abdominelle Beschwerden lindert. Es kann daher gut zur Therapie, bei Hochrisikopatienten auch zur Prophylaxe von NSAR-induzierten Mukosaläsionen eingesetzt werden.
2. Acid neutralization and bile acid binding capacity of hydrotalcite compared with other antacids: An in vitro study
Miederer SE, Wirtz M, Fladung B, Chin J Dig Dis 4: 140-146, 2003
Säureneutralisations- und Gallensäurebindungskapazität von Hydrotalcit im Vergleich zu anderen Antazida: eine In-vitro-Studie
Hintergrund und Ziele
Antazida werden weltweit zur Selbstmedikation von Beschwerden wie Sodbrennen, saurem Aufstoßen und säurebedingten Magenbeschwerden eingesetzt. Bei der Bewertung eines Antazidums spielt neben seiner Säureneutralisationskapazität vor allem auch seine Fähigkeit zur Bindung von aggressiven Gallensäuren eine entscheidende Rolle, denn bei einer Refluxerkrankung können Gallensäuren aus dem Dünndarm in den Magen oder sogar bis in die Speiseröhre gelangen und hier als endogene Noxen die Schleimhäute reizen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den lipophilen Gallensäuren (z.B. Taurodesoxycholsäure) zu, da sie ein sehr hohes zytotoxisches und schleimhautschädigendes Potenzial aufweisen.
In dieser In-vitro-Studie wurde die Säureneutralisations- und Gallensäurebindungskapazität von Hydrotalcit und anderen Antazida untersucht.
Methodik
Zur Bestimmung der Säureneutralisationskapazität wurden drei verschiedene In-vitro-Testsysteme eingesetzt. Beim sog. „Preliminary Antacid Test“ (PAT) und dem „Acid Neutralization Capacity (ANC)-Test“ handelt es sich jeweils um ein statisches Testsystem. Der sog. Rossett-Rice-Test stellt dagegen ein dynamisches Invitro-Testverfahren dar, bei dem die im Magenlumen vorherrschenden physiologischen Bedingungen simuliert werden. Dabei wird das zu untersuchende Antazidum zunächst einer definierten Säuremenge ausgesetzt; anschließend erfolgt ein kontinuierlicher Säurezufluss. Da unter In-vivo-Bedingungen ebenfalls kontinuierlich Säure in das Magenlumen sezerniert wird, spiegelt der Rossett-Rice-Test die physiologischen Gegebenheiten am besten wider.
Zur Ermittlung der Gallensäurebindungskapazität wurde ein statisches Analysemodell eingesetzt. Die hierbei verwendeten Gallensäurekonzentrationen entsprachen der Konzentration des Refluxats unter In-vivo-Bedingungen.
Ergebnisse
In allen drei Tests, in denen die Antazida unter dem Aspekt der Säureneutralisation untersucht wurden, zeigte sich, dass Hydrotalcit über ein sehr gutes Säureneutralisationsvermögen verfügt. Im PAT, bei dem die pH-Werte nach Säureexposition gemessen wurden, ergab sich für Hydrotalcit (500 mg) ein pH-Wert von 4,31. Hydrotalcit konnte somit den pH-Wert in den therapeutisch optimalen Bereich zwischen pH 3 und 5 anheben. Auch im ANC-Test wies Hydrotalcit (500 mg) mit ca. 17 mEq/g Zubereitung eine sehr gute Säureneutralisationskapazität auf. Im dynamischen Rossett-Rice-Test fiel auf, dass alle getesteten Antazida ihre säureneutralisierende Wirkung innerhalb der ersten Minute entfalteten, d.h. den pH-Wert über 3 anhoben. Hinsichtlich der Dauer der Säureneutralisation verhielten sich die Präparate jedoch sehr unterschiedlich.
Hydrotalcit (1000 mg) wies von allen getesteten Antazida die längste Wirkdauer auf: Es konnte über einen Zeitraum von 76,9 Minuten den pH-Wert über 3 halten.
Die Untersuchungen zur Gallensäurebindungskapazität zeigten, dass Hydrotalcit (500 mg) mit Abstand das höchste Bindungsvermögen in Bezug auf die stark lipophile Taurodesoxycholsäure besitzt. Alle anderen Antazida schnitten deutlich schlechter ab.
Zusammenfassung
Die Studienergebnisse zeigen, dass Hydrotalcit sehr gute Säureneutralisationseigenschaften aufweist. Im Gegensatz zu anderen Antazida ist es in der Lage, durch kontrollierte Säureneutralisation den pH-Wert über einen langen Zeitraum hinweg im therapeutisch optimalen Bereich zwischen pH 3 und 5 zu halten. Darüber hinaus kann es aggressive Gallensäuren effektiv binden und somit die Magenschleimhaut wirkungsvoll vor Läsionen schützen. Hydrotalcit ist daher zur Behandlung von Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden sehr gut geeignet.
3. On-demand treatment of acute heartburn with the antacid hydrotalcite compared with famotidine and placebo
Holtmeier W, Holtmann G, Caspary WF, Weingärtner U, J Clin Gastroenterol 41: 564–570, 2007
Hydrotalcit im Vergleich zu Famotidin und Placebo in der symptomgesteuerten Therapie des akuten Sodbrennens: Eine randomisierte Doppelblindstudie im Cross-over-Design
Hintergrund und Ziele
Sodbrennen als Hauptsymptom der gastro-ösophagealen Refluxkrankheit (gastro-esophageal reflux disease, GERD) ist in der Bevölkerung weit verbreitet − die Prävalenz liegt zwischen 20 und 40%. Der Leidensdruck der Patienten ist zum Teil beträchtlich. Viele Patienten ziehen jedoch keinen Arzt zu Rate, sondern verwenden beim Auftreten der Symptome (symptomgesteuerte Therapie) OTC-Präparate wie Antazida (z.B. Hydrotalcit) oder niedrig dosierte H2-Blocker (z.B. Famotidin). In der vorliegenden Studie wurden die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Hydrotalcit gegenüber Famotidin und Placebo unter alltagsnahen Bedingungen untersucht.
Methodik
In die randomisierte Doppelblindstudie im Cross-over-Design wurden insgesamt 562 Patienten eingeschlossen. Um Patienten einzuschließen, die ihre Beschwerden selbst, ohne Unterstützung des Arztes behandeln, erfolgte die Rekrutierung über Anzeigen in der lokalen und regionalen Tagespresse. Einschlusskriterien waren wiederholtes Sodbrennen seit mindestens 6 Monaten und mindestens 2 Episoden pro Woche während der letzten beiden Monate. Der Schweregrad des Sodbrennens vor Studienbeginn sollte bei mindestens 5 Punkten auf einer insgesamt 11 Punkte umfassenden numerischen Skala (Heartburn Severity Score mit 0 = kein Sodbrennen, 10 = sehr starkes Sodbrennen) liegen. Diese Skala diente auch während der Studie zur Bewertung der Intensität der Symptome. Das Nachlassen der Beschwerden wurde auf einer 5-stufigen deskriptiven Skala bewertet (Heartburn Relief Score [HRS]; 0 = keine Besserung, 4 = komplette Symptomreduktion).
Im 3-monatigen Beobachtungszeitraum nahm jeder Proband eine Einzeldosis von 1.000 mg Hydrotalcit (2 x 500 mg Talcid® Kautabletten), 10 mg Famotidin sowie ein Mal Placebo ein. Die Medikation sollte innerhalb einer Stunde nach Einsetzen der Beschwerden erfolgen. Anhand der verbalen und numerischen Skalen dokumentierten die Patienten die Schwere des Sodbrennens sowie dessen Nachlassen vor und bis zu 6 Stunden nach Einnahme der Studienmedikation in Patiententagebüchern. Durch Addition der HRS-Einzelwerte für die Zeiträume 0–30 Minuten, 0–60 Minuten und 0–180 Minuten wurden die jeweiligen HRS-Gesamtwerte (HRStotal) ermittelt.
Ergebnisse
Die Auswertung des HRStotal zeigte, dass die Einnahme von Hydrotalcit gegenüber dem Placebo nach 60 Minuten zu einem signifikant stärkeren Nachlassen des Sodbrennens führte (p<0,0001). Auch 30 Minuten und 3 Stunden nach der Einnahme besaß Hydrotalcit im Vergleich zu Famotidin und Placebo eine signifikant bessere Wirksamkeit (Tabelle 1).
Abbildung 1 zeigt den Verlauf der Symptomintensität. Der deutlichste Effekt wurde innerhalb der ersten Stunde nach Einnahme beobachtet. So konnte die Stärke des Sodbrennens mit Hydrotalcit schon nach 10 Minuten deutlich reduziert werden, während Placebo und Famotidin innerhalb der ersten Stunde einen vergleichbaren Effekt zeigten.
Nach 3 Stunden waren mehr als 70% der Probanden aus der Hydrotalcit-Gruppe völlig beschwerdefrei, nach 6 Stunden lag der Anteil symptomfreier Patienten bei 82%. Die globale Wirksamkeit nach 3 Stunden bewerteten 55% der Studienteilnehmer der Hydrotalcit-Gruppe, 49% der Famotidin-Gruppe und 45% der Placebo-Gruppe mit „gut“ bzw. „sehr gut“.
Alle drei Medikationen erwiesen sich als vergleichbar gut verträglich. Der Prozentsatz möglicherweise arzneimittelbezogener Nebenwirkungen lag in der Hydrotalcit-Gruppe bei 6,2% und damit auf Placeboniveau (6%), in der Famotidin-Gruppe bei 7,0%.

Zusammenfassung
Die Studie zeigt, dass eine Einzeldosis von 1.000 mg Hydrotalcit Sodbrennen bereits in den ersten Minuten nach der Einnahme lindert und bis zu 3 Stunden eine bessere Wirksamkeit als Famotidin oder ein Placebo besitzt. Die symptomgesteuerte Behandlung von akuten Sodbrennen-Attacken mit Hydrotalcit stellt also eine effektive und gut verträgliche Therapieoption in der Selbstmedikation dar.
4. The efficacy of hydrotalcite compared with OTC famotidine in the on-demand treatment of gastroesophageal reflux disease: A non-inferiority trial
Konturek JW, Beneke M, Koppermann R et al., Med Sci Monit 13: CR44–CR49, 2007
Wirksamkeit von Hydrotalcit im Vergleich zu freiverkäuflichem Famotidin bei der Bedarfstherapie der gastro-ösophagealen Refluxkrankheit
Hintergrund und Ziele
Die gastro-ösophageale Refluxkrankheit (gastro-esophageal reflux disease, GERD) mit Sodbrennen als Hauptsymptom ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Etwa die Hälfte der Patienten mit Sodbrennen konsultiert keinen Arzt, sondern verwendet OTC-Präparate wie Antazida (z.B. Hydrotalcit) oder niedrig dosierte H2-Blocker (z.B. Famotidin). Die Einnahme dieser Präparate erfolgt dabei meist nur bedarfsorientiert, d.h. beim Auftreten der Symptome. Um den Wirkungseintritt des Antazidums Hydrotalcit und des H2-Blockers Famotidin unter Alltagsbedingungen zu untersuchen, wurde die hier vorgestellte Studie durchgeführt.
Methodik
An der offenen, randomisierten Vergleichsstudie mit 2 Parallelgruppen nahmen 53 Patienten im Alter von 20–75 Jahren mit endoskopisch gesicherter GERD Grad 0–1 teil. Bei entsprechenden Beschwerden nahmen die Patienten eine Einzeldosis mit 1000 mg Hydrotalcit (Talcid® forte; n=26) oder 10 mg Famotidin (Pepcid® akut;?n=27) ein. Die Schwere der Symptome wurde vor sowie zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach der Einnahme auf einer 4-stufigen deskriptiven Skala (verbal rating scale, VRS) bewertet. Zur Einstufung der Beschwerden standen die Kategorien „keine“, „leicht“, „mäßig“ und „stark“ zur Verfügung. Die letzten Angaben zur Stärke der Symptome erfolgten 4 Stunden nach Einnahme der Präparate. Erfasst wurde die Zahl der Patienten („Responder“), die eine Verbesserung um zwei oder mehr Punkte gegenüber dem Basiswert aufwiesen.
Ergebnisse
Hydrotalcit zeigte in den ersten 45 Minuten, beginnend 10 Minuten nach der Einnahme, gegenüber Famotidin eine signifikante Überlegenheit bezüglich des Anstiegs der Responder (s. Abb.). Im Zeitraum von 60 bis 120 Minuten besaßen beide Substanzen die gleiche Wirksamkeit. Nach 3 Stunden lag die Response-Rate für Hydrotalcit bei 90,9% und für Famotidin bei 92,0%. Nach 4 Stunden betrug die Response-Rate für Hydrotalcit 86,4% und für Famotidin 96,0%. Unerwünschte Ereignisse traten in keiner der beiden Gruppen auf.
Zusammenfassung
Diese Studie belegt, dass Hydrotalcit die Symptome des gastroösophagealen Refluxes schneller bessert als niedrig-dosiertes Famotidin und für bis zu 2 Stunden die gleiche Wirksamkeit zeigt. Mit Hydrotalcit steht damit eine sichere und wirksame Substanz für die bedarfsorientierte Selbstmedikation bei Sodbrennen zur Verfügung.
5. Comparison of the effect of the antacid Rennie® versus low-dose H2-receptor antagonists (ranitidine, famotidine) on intragastric acidity
Netzer P, Brabetz-Höfliger A, Bründler R et al., Aliment Pharmacol Ther 12: 337-342, 1998
Wirkung des Antazidums Rennie® auf die intragastrale Azidität im Vergleich zu niedrig dosierten H2-Rezeptor-Antagonisten (Ranitidin, Famotidin)
Hintergrund und Ziele
Patienten, die unter dyspeptischen Beschwerden leiden, behandeln sich oft mit freiverkäuflichen Präparaten selbst. Zur Linderung der Symptome können als OTC-Präparate Antazida oder niedrig dosierte H2-Blocker eingesetzt werden.
In dieser Studie wurde die Wirkung des Antazidums Rennie® auf den pH-Wert im Magen mit der Wirkung zweier niedrig dosierter H2-Blocker (Ranitidin, Famotidin) verglichen.
Methodik
In die vierarmige, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Crossover-Studie wurden 16 gesunde, Helicobacter-pylori-negative Probanden eingeschlossen. Die Probanden wurden per Zufallsprinzip entweder einer Behandlung mit zwei Kautabletten Rennie® (2 x 680 mg Ca-Carbonat + 80 mg Mg-Carbonat), einer Tablette Ranitidin (75 mg), einer Tablette Famotidin (10 mg) oder einer entsprechenden Placebo-Behandlung zugewiesen. Die Einnahme der Präparate erfolgte morgens im nüchternen Zustand. Der Einfluss der verschiedenen Testsubstanzen auf den pH-Wert im Magen wurde jeweils durch ein vierstündiges, intragastrales pH-Wert-Monitoring erfasst. Zwischen den einzelnen Studienphasen lag eine Auswaschphase von mindestens 7 Tagen. Primärer Wirksamkeitsendpunkt der Studie war die Zeitspanne zwischen der Medikamenteneinnahme und dem Erreichen eines Magen-pH-Werts >3 für mindestens 5 Minuten.
Ergebnisse
Rennie® zeigte im Vergleich zu Ranitidin und Famotidin einen signifikant schnelleren Wirkeintritt (p=0,008). Die mittlere Zeitspanne (Median) zwischen der Medikamenteneinnahme und dem Erreichen eines Magen-pH-Werts >3 betrug unter Rennie® 5,8, unter Rantidin 64,9 und unter Famotidin 70,1 Minuten. Rennie® war somit in der Lage, den pH-Wert im Magen innerhalb weniger Minuten auf Werte über 3 anzuheben. Die säurereduzierende Wirkung von Ranitidin und Famotidin trat dagegen erst eine Stunde nach der Medikamenteneinnahme ein.
Die Wirkdauer, gemessen als prozentuale Zeitspanne, in der der pH-Wert oberhalb von 3 lag, war bei den H2-Blockern im Vergleich zu Rennie® signifikant länger (p<0,001).
Zusammenfassung
Rennie® konnte innerhalb weniger Minuten den pH-Wert im Magen in den therapeutisch günstigen Bereich (>pH 3) anheben. Aufgrund seines schnellen Wirkeintritts ist Rennie® sehr gut zur Behandlung von gelegentlich auftretenden, leichten bis mäßigen dyspeptischen Beschwerden geeignet. Bei Bedarf können Antazida wie Rennie® auch wiederholt angewendet werden. Zu beachten ist allerdings, dass bei Auftreten von sog. Alarmsymptomen ein Arztbesuch zwingend erforderlich ist.
6. Absence of rebound effect with calcium carbonate
Simoneau G, Eur J Drug Metab Pharmacokinet 21(4): 351-357, 1996
Ausbleiben eines Rebound-Effekts bei Anwendung von Calciumcarbonat
Hintergrund und Ziele
Rennie® ist ein Antazidum, das als Wirksubstanzen Calcium- und Magnesiumcarbonat enthält und eine Säureneutralisationskapazität von 15 mEq pro Tablette aufweist. Es wird insbesondere zur Behandlung von Sodbrennen, Magenschmerzen und dyspeptischen Beschwerden eingesetzt. Obwohl fundierte Studiendaten fehlen, wird oft behauptet, dass Calcium-haltige Antazida wie Rennie® einen sog. Säure-Rebound auslösen, d.h., nach Einnahme dieser Medikamente soll es zu einer Verstärkung der Säuresekretion im Magen kommen.
In dieser Studie wurde untersucht, inwiefern ein solcher Säure-Rebound nach Einnahme von Rennie® in der empfohlenen Dosierung tatsächlich zu beobachten ist. Dabei wurde der Effekt von Rennie® mit dem eines nicht Calcium-haltigen Antazidums (Talcid®, Wirkstoff: Hydrotalcit) verglichen.
Methodik
In die offene, randomisierte Crossover-Studie wurden 12 gesunde Probanden eingeschlossen. Die Studie umfasste drei Studienphasen. In der ersten Phase (Kontrollphase) erhielten die Probanden über den Tag verteilt drei Standardmahlzeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen), ohne dass zusätzlich säureneutralisierende Medikamente eingenommen wurden. Dabei erfolgte über 24 Stunden eine kontinuierliche Erfassung des pH-Werts im Magen. In der zweiten und dritten Studienphase nahmen die Probanden jeweils eine Stunde nach den Standardmahlzeiten sowie vor dem Zubettgehen entweder 2 Tabletten Rennie® (2 x 680 mg Ca-Carbonat + 80 mg Mg-Carbonat) oder 2 Tabletten Talcid® (2 x 500 mg Hydrotalcit) ein. Die säurereduzierende Wirkung beider Präparate wurde über einen Zeitraum von 60 Minuten nach der Medikamenteneinnahme bewertet. Für die Erfassung eines eventuell auftretenden Säure-Rebounds war die zweite und dritte Stunde nach der Medikamenteneinnahme entscheidend. Dabei wurden beide Zeitabschnitte (zweite und dritte Stunde) sowohl einzeln als auch in Kombination bewertet.
Ergebnisse
Die beiden Präparate Rennie® und Talcid® wiesen eine vergleichbare säurereduzierende Wirkung auf. Die in der ersten Stunde nach der Medikamenteneinnahme erzielten maximalen pH-Werte (Mittelwerte) reichten von 3,23 bis 4,72 (Rennie®) bzw. von 2,67 bis 4,36 (Talcid®). Beide Präparate besaßen eine Wirkdauer von etwa einer Stunde. Weder bei Anwendung von Rennie® noch bei Einsatz von Talcid® war ein Säure-Rebound zu verzeichnen. So konnte sowohl unter der Behandlung mit Rennie® als auch unter Anwendung von Talcid® kein signifikanter Abfall des Magen-pH-Werts im Vergleich zur Kontrolle beobachtet werden (p>0,05). Dies traf sowohl für die isolierte Betrachtung der zweiten und der dritten Stunde nach der Medikamenteneinnahme als auch für die kombinierte Betrachtung beider Zeiträume zu. 
Zusammenfassung
Die Studienergebnisse zeigen, dass die beiden Antazida Rennie® und Talcid® eine vergleichbare säurereduzierende Wirkung aufweisen und eine ähnlich lange Wirkdauer besitzen. Nach Einnahme der Präparate in der empfohlenen Dosierung trat kein Säure-Rebound, d.h. keine verstärkte Säuresekretion im Magen auf. Dies galt für das Calcium-haltige Antazidum Rennie® in gleicher Weise wie für das Calcium-freie Präparat Talcid®. Beide Antazida sind somit zur Behandlung von Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden sehr gut geeignet.


