18.09.12
Retax einer veränderten Verordnung

Im DAP Newsletter mussten wir schon des Öfteren über Retaxationen berichten, die für die retaxierte Apotheke oft nicht mehr nachvollziehbar waren. Der nachfolgenden im DAP Retax-Forum diskutierten Retaxation liegt jedoch ein ganz besonderer Sachverhalt zugrunde, denn die der Retaxation beiliegende Rezeptkopie entsprach nicht mehr der ursprünglichen Verordnung, die der Apotheke bei der Versorgung der Verordnung vorgelegen hatte.

Der betroffene Apotheker berichtete seinen KollegINNen im DAP Retax-Forum:

Ordnungsgemäß ausgestelltes Rezept vom 25.02.2011 über Verapamil 80 100 St.
Retax jetzt mit der Begründung, die BG wäre zuständig. Das Rezept ist vom Arzt handschriftlich ausgestellt auf die LKK und ich bekomme nun das Originalrezept wieder, auf dem die Kassennummer durchgestrichen und handschriftlich BG ergänzt wurde.

Wie kann das sein, dass sich der Inhalt eines Originaldokumentes auf dem Weg
Apotheke → Rezeptabrechnungsstelle → Rezeptprüfstelle → Apotheke geändert hat?
Wir haben den betroffenen Kollegen um Zusendung der Retax-Unterlagen gebeten.

Folgende Verordnung wurde der Apotheke am Abgabetag vorgelegt:

Auf dem Rezept ursprünglich
genannter Kostenträger:
LKK NRW, IK 3708773
Verordnet: Verapamil 80 mg / 100 St.
Abgabedatum: 17.03.11

Abb.: Das der Apotheke am 17.03.11 vorgelegte Rezept (laut Image der Apotheken-Abrechnungsstelle)

Als Kostenträger ist eindeutig die LKK mit der IK 3708773 genannt!
Es sind weder Daten in den Rezeptfeldern „Unfalltag“ oder „Unfallbetrieb“ eingetragen, noch sind auf dem Rezept sonstige Angaben vorhanden, aus der die Apotheke hätte erkennen können, dass es sich hier nicht um eine „LKK“-Verordnung, sondern um eine „BG“-Verordnung handeln musste.

Die der Retaxation beiliegende Rezeptkopie wich vom Originalrezept ab:

Abb.: Beigelegte Rezeptkopie der Rezeptprüfstelle

Auf der der Retaxation beigelegten Rezeptkopie ist nun handschriftlich der Kostenträger um den Zusatz „BG“ ergänzt und die Kassennummer der LKK ist durchgestrichen!

Anhand dieser geänderten Verordnung hätte die Apotheke sehr wohl erkennen müssen, dass es sich nicht um eine Verordnung zu Lasten der LKK handeln konnte. Wenn diese Verordnung bereits ursprünglich so vorgelegen hätte, dann wäre die Retax durchaus berechtigt!

Hätte die Apotheke von ihrer Rezeptabrechnungsstelle nicht auch die Kopie der abgerechneten, unveränderten Originalverordnung erhalten, so hätte sie vermutlich einen eigenen Fehler vermutet und diese Retaxation widerspruchslos akzeptiert.

Die betroffene Apotheke schreibt:

Auf meinem Image, das ich von meiner Abrechnungsstelle bekommen habe, ist dieser Zusatz nicht erkennbar, also erst nachträglich (…) ergänzt worden. (…) Anhand des Medikaments ist für mich nicht ersichtlich, weshalb eine BG zuständig sein sollte und meines Wissens ist die Kasse zur Zahlung verpflichtet, die auf der Verordnung zum Zeitpunkt der Abgabe angegeben ist (war). (…)

Es stellt sich die Frage, wer aus welchem Grund diese Änderung vorgenommen hat und ob die „Änderung der Zuständigkeiten“ auf dem Rücken der Apotheke ausgetragen werden kann.

Aus mehreren Gründen muss diese Retaxation zurückgenommen werden
(Grundlage: Arzneiliefervertrag NRW):

1.) Retaxfrist überschritten:

§ 17 (1)
10 Monate nach Schluss des Quartals, in dem die Datenträger und Verordnungen eingegangen sind...


UND:
... Bei Vollabsetzung müssen die Originalrezepte beigefügt werden!

2.) Angegebener Kostenträger muss erstatten:

§4 (4) Arzneiliefervertrag
Der Apotheker ist zur Nachprüfung der Zugehörigkeit des Versicherten zu der auf der Verordnung angegebenen Krankenkasse (…) nicht verpflichtet. Der Zahlungsanspruch richtet sich gegen den auf der Verordnung angegebenen Kostenträger

Wir werden über den Vorgang weiter berichten.

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